Siemens-Prozess: Massive Vorwürfe gegen Ex-Finanzchef

München - In der ehemaligen Kommunikationssparte von Siemens lief das Geschäft schlecht. So schlecht, dass man dringend sparen musste - sogar bei Bestechungszahlungen. Das hat der ehemalige Siemens-Bereichsvorstand Michael K. nach Angaben der Staatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl in Vernehmungen ausgesagt.

Im ersten Prozess um den Schmiergeld-Skandal bei Siemens berichtete die Staatsanwältin gestern dem Gericht über die Vernehmungen, weil K. selbst als Beschuldigter im Schmiergeldskandal gilt und von seinem Recht Gebrauch machte, die Zeugenaussage zu verweigern.

Laut der Staatsanwältin befindet sich K. zurzeit in Dubai und versucht einen Immobilienfonds aufzulegen, um so wieder beruflich auf die Beine zu kommen. Ihr zufolge hat K. den früheren Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger schwer belastet. Und auch auf die Wirtschaftsprüfer von KPMG werfen die Schilderungen ein schlechtes Licht.

Michael K. habe erklärt, dass er den ehemaligen Siemens-Zentralvorstand Thomas Ganswindt, der ebenfalls als Beschuldigter gilt, von Bestechung bei Siemens unterrichtet habe. Neubürger soll über die Praxis verdeckter Provisionen ebenso eingeweiht gewesen sein wie über die Schließung zweier Konten in Österreich, die der Bestechung gedient hatten und Ermittlern aufgefallen waren.

Neubürger soll Michael K. empfohlen haben, sich in Erlangen bei der Kraftwerkssparte Anregungen für Alternativen zur Bestechung zu holen. Doch der unternehmensinterne Wissenstransfer funktionierte nicht. K. beichtete demnach Neubürger, dass er nichts Wesentliches erfahren habe. Schließlich begann der im ersten Prozess um den Schmiergeldskandal angeklagte Reinhard S. nach eigener Aussage mit dem Aufbau schwarzer Kassen.

Im Jahr 2003 seien zudem einer Mitarbeiterin des Wirtschaftsprüfers KPMG Barzahlungen von Siemens nach Nigeria aufgefallen, über die Neubürger - damals Nummer zwei im Konzern und enger Mitarbeiter des Ex-Chefs Heinrich von Pierer - informiert worden sein soll. Neubürger habe angeregt, Hinweise auf die Zahlungen aus dem Bericht der Prüfer zu entfernen, um den Vorfall zu vertuschen. Später soll sich ein KPMG-Manager für die "übereifrige Mitarbeiterin" entschuldigt haben. KPMG äußerte sich nicht konkret zu diesen Vorwürfen. Neubürgers Anwalt war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Die interne Korruptionsbekämpfung von Siemens hat sich den Aussagen zufolge teils aus Mitarbeitern zusammengesetzt, die selbst in Schmiergeldpraktiken verwickelt waren. K. habe über eine solche Personalie geurteilt: "Da ist der Bock zum Ziergärtner gemacht worden."

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