Siemens putzt seine Handys raus

- München - Siemens hat nicht nur ein Problem mit seinen Handys, sondern viele. Die reparaturbedürftige Sparte schluckt Geld, schadet dem Image des Konzerns und verunsichert die Mitarbeiter. Um Abhilfe zu schaffen, sehen die Siemens-Manager vier mögliche Maßnahmen: Schließen, verkaufen, einen Partner zu Hilfe holen oder sanieren. Derzeit verfolgt Siemens die letztgenannte Option. Mit weiteren Sparmaßnahmen soll das Geschäft herausgeputzt werden, kündigte Lothar Pauly, Bereichsvorstand der Kommunikationssparte Com, an. Diesmal will man die Mitarbeiter schonen. Gekürzt wird bei der Werbung.

Seit drei Quartalen häufen sich die Verluste des Handy-Geschäfts. Zuletzt waren es 143 Millionen Euro, mit denen die Mobiltelefone das Vierteljahres-Ergebnis belasteten. "All meine Anstrengungen gelten dem Bemühen, diese Situation zu korrigieren", versprach Pauly. Nach wie vor stünden alle vier Optionen für das Handy-Geschäft offen, betonte er. Allerdings sei die Schließung die "am wenigsten wünschenswerte", weil sie Werte vernichten würde. Und da man für einen Verkauf oder eine Partnerschaft erst einmal einen Interessenten finden müsste, geht der Konzern jetzt die Sanierung an. Zusätzlich zu ursprünglich eingeplanten Einsparungen von 500 bis 600 Millionen Euro in diesem Jahr sollen die Kosten um weitere 400 Millionen Euro reduziert werden - allerdings nicht beim Personal. Beim Marketing sollen die Budgets zusammengekürzt werden. Unter anderem könnte das den 2006 auslaufenden Werbevertrag mit dem spanischen Fußballklub Real Madrid betreffen. Außerdem wolle man sich aus einigen schwierigen Märkten zurückziehen - unter anderem aus Israel und mehreren asiatischen Ländern.<BR><BR>Die Fusion der Sparten ICM und ICN zum Bereich Com, der fast ein Viertel des Umsatzes im Konzern ausmacht, zahle sich aus, erklärte Pauly. Binnen drei Jahren sollen die Entwicklungskosten um 15 Prozent sinken.<BR><BR>Parallel zum Sparprogramm setzt Siemens Hoffnungen in neue Produkte. Zur Technikmesse Cebit stellt der Konzern fünf neue Handys vor. Insgesamt sollen heuer 15 Modelle auf den Markt kommen - auch für den neuen Mobilfunkstandard UMTS. Bisher war Siemens oft zu spät dran mit seinen Entwicklungen und verpasste dadurch in der schnelllebigen Handy-Branche einen großen Teil des Geschäfts.

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