Siemens-Skandal: Wie Führung und Mitarbeiter reagieren

- München -­ Siemens reagiert auf die Affäre um schwarze Kassen. Der Konzern droht Beschäftigten bei einem Verdacht auf ungesetzliche Geschäftspraktiken mit Suspendierung. Mitarbeiter von der Basis sind wegen der Vorwürfe kaum überrascht. Der Skandal um schwarze Kassen bei Siemens hat nun auch Unternehmenschef Klaus Kleinfeld aufgeschreckt.

"Wir müssen Unregelmäßigkeiten schonungslos aufklären und ahnden", versprach er und nahm damit erstmals zu den Vorgängen im aufgelösten Geschäftsbereich Communications (Com) Stellung. Mitarbeiter, bei denen sich der Verdacht auf ein ungesetzliches Verhalten erhärte, würden künftig unmittelbar suspendiert.

Ob ein hinreichender Verdacht vorliegt, soll ein Ombudsmann als neutrale Instanz verbindlich feststellen. Zugleich überprüfe Siemens bestehende interne Kontrollsysteme auf Lücken und Umgehungsmöglichkeiten mit Hilfe weiterer externer Spezialisten sowie einer Task Force. Die soll die Verhaltensregeln deutlich verschärfen und strafbare Geschäftspraktiken künftig verhindern. Der Vorstand dulde kein ungesetzliches Verhalten von Mitarbeitern, weder im In- noch im Ausland, ließ Kleinfeld klarstellen.

Nötig wird dieser Feldzug gegen Korruption, nachdem die Münchner Staatsanwaltschaft schwarze Kassen im Umfang von mindestens 200 Millionen Euro aufgespürt hat. Bislang werfen die Ermittler etwa einem dutzend ehemaliger und aktiver Siemensianer vor, aus der Com-Sparte seit 2001 die Millionensummen herausgeschleust und in ein System schwarzer Kassen im Ausland verfrachtet zu haben. Noch werden die Betroffenen offiziell nur der Untreue verdächtigt. Juristen weisen allerdings darauf hin, dass die Höhe der Summen und das professionelle System international verzweigter Schwarzgelder auf Bestechung im großen Stil hindeutet. Vermutet wird, dass Siemens-Manager mit den Millionensummen potenzielle Auftraggeber schmieren wollten.

Im Unternehmen selbst ­ vor allem in den betroffenen Bereichen ­ sei die Affäre Tagesgespräch, berichten Beschäftigte. "Wenn ein Chef mal länger weg ist, wird jetzt gleich vermutet, dass er einsitzt", beschreibt eine Mitarbeiterin die Lage. Wirklich überrascht sei man aber nicht. Korruption sei in vielen Ländern Asiens und Afrikas gang und gäbe, ohne Schmieren gehe dort nicht viel. "Siemens ist nicht allein", schätzt eine ausgeschiedene Mitarbeiterin.

Dass auch ranghohe Manager mit von der Partie zu sein scheinen, steht für manchen Siemensianer von der Basis außer Frage. Bei den genannten Summen hätte ein "kleiner Fisch" gar keine Unterschriftsberechtigung, lautet ein Argument. Eine Ursache für die jetzigen Enthüllungen sei wohl auch, dass der jetzt zerschlagene Com-Bereich über Jahre hinweg von der Siemens- Führung enorm unter Druck gesetzt worden sei. "Wenn hohe Renditeziele gefordert werden, ist die Versuchung groß, auch zu fragwürdigen Methoden zu greifen", meinte ein Siemensianer von der Basis.

Gesicherte Hinweise darauf, dass Kleinfeld oder andere Mitglieder des Zentralvorstands vor den offiziellen Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft von den aus Com abgezweigten Millionensummen wussten, gibt es indessen weiterhin nicht. Zwar seien auch auf dieser Ebene Vorstandsbüros durchsucht worden, erklärte ein Justizsprecher. Kleinfeld und dessen Hierarchieebene gelten aber als Zeugen.

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