Siemens: Sparte mit 2000 Mitarbeitern vor Verkauf

München - Der Elektrokonzern Siemens will einen Teil seines Automationsgeschäfts mit gut 2000 Beschäftigten noch in diesem Geschäftsjahr ausgliedern. Die Hälfte der Stellen entfällt aufs Inland und zwar auf die beiden deutschen Standorte München und Bruchsal.

Ein Siemens-Sprecher bestätigte, dass die Geschäftseinheit Electronics Assembly Systems in eine Tochterfirma ausgegliedert werden und als eigenständige Einheit auftreten solle. In der Sparte werden Bestückungsautomaten für Elektronikkomponenten und Leiterplatten hergestellt. Die Arbeitnehmervertreter seien über die Pläne informiert worden, sagte der Sprecher. Der Siemens-Konzernumbau schreitet damit weiter voran. Dabei ist nach den Worten von Siemens-Chef Peter Löscher etwa die Hälfte der Wegstrecke bewältigt.

Die Geschäftseinheit Elec-tronics Assembly Systems gehört zu dem früheren Automatisierungsbereich Automation & Drives. Siemens prüft angeblich unter anderem, das Geschäft zu verkaufen oder es mit einem Partner zusammenzulegen. Zur Begründung hieß es in Unternehmenskreisen, das Geschäft habe "nur wenig Synergien" mit anderen Siemens-Bereichen.

Viele der Konkurrenten wie der japanische Konzern Matsushita lassen an Niedriglohnstandorten produzieren. Hintergrund der Ausgliederungspläne dürfte auch sein, dass das Marktvolumen zuletzt deutlich zurückgegangen war.

Zu dem Konzernumbau sagte Löscher der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "50 Prozent sind neu positioniert. Wir müssen die operative Kraft der Geschäfte langfristig weiter stärken." Das Portfolio zu überpüfen sei aber ein permanenter Prozess. "Nach den großen Portfolioveränderungen steht für mich jetzt aber organisches Wachstum klar im Vordergrund."

Löscher äußerte sich auch zu den hohen Belastungen wegen Problemen bei Auftragsbeständen vor allem in der Kraftwerkssparte und bei der fehlkonstruierten Straßenbahn "Combino". Die überraschende Bekanntgabe der Belastungen in Höhe von rund 900 Millionen Euro hatte die Siemens-Aktie am Montag einbrechen lassen, zeitweise verlor der Konzern bis zu ein Fünftel seines Börsenwertes. Auf die Frage, ob er garantieren könne, dass in den 15 Divisionen von Siemens tatsächlich alle Aufträge durchleuchtet worden seien, sagte Löscher: "Nein, das kann niemand. Aber im Energiebereich wurden 80 Prozent der Großprojekte durchleuchtet."

Dabei handele es sich eindeutig um "die Projekte mit den größten Risiken", ergänzte der Siemens-Chef. "Wir sind noch nicht durch. Aber der größte Teil ist erfasst." Es könne sein, dass noch etwas komme, "aber das, was wir berichtet haben, bildet den allergrößten Teil der Belastungen ab".

Löscher bezeichnete es als unwahrscheinlich, dass in anderen Konzernbereichen ähnliche Probleme auftreten könnten. Die Altlasten haben für den Siemens-Vorstandsvorsitzenden keine Auswirkungen auf seine mittelfristigen Planung. "Wir halten an den Renditezielen fest", betonte er. Der Vorgang habe auch nichts mit Arbeitsplätzen zu tun. "Siemens wird weiterhin stark wachsen, und wir wollen neue Stellen schaffen", sagte Löscher.

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