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Aktionäre der Siemens AG kommen am Dienstag (27.01.2009) zur Hauptversammlung des Konzerns in München.

Hauptversammlung

Siemens stemmt sich gegen Krise

München - Der Technologiekonzern Siemens stemmt sich gegen die Wirtschaftskrise und hält trotz erster Bremsspuren an seinen Gewinnzielen für das laufende Geschäftsjahr fest.

Allerdings sei es im schwierigen Marktumfeld noch “ambitionierter“ geworden, diese zu erreichen, sagte Siemens-Chef Peter Löscher am Dienstag auf der Hauptversammlung in München. Die Aktionäre stimmte er auf ein raues Konjunkturklima in den kommenden Monaten ein. “2009 wird auch für uns ein schwieriges Jahr.“ Siemens sei aber besser für die weltweite Rezession gerüstet als viele der Wettbewerber. “Wir sind robust unterwegs.“

Die Aktionäre lobten die Aufarbeitung des milliardenschweren Schmiergeld-Skandals bei Siemens. “Wir sind alle erleichtert, die Verhandlungen sind gut gelaufen“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. “Gut, dass wir soweit gekommen sind, denn nun erfordert die Weltwirtschaftskrise die gesamte Aufmerksamkeit.“ Auch nach Einschätzung von Siemens- Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat der Konzern die richtigen Lehren aus dem Skandal gezogen. “Nach zwei schwierigen Jahren steht Siemens wieder auf dem festen Fundament der Integrität“, sagte Cromme.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2008/09 (30. September) macht sich Siemens auf rückläufige Bestelleingänge gefasst, will seinen Umsatz aber mindestens stabil halten. “Der Umsatz wird nicht unter dem des Vorjahres sein“, sagte Finanzchef Joe Kaeser. Im ersten Quartal legten die Erlöse im Jahresvergleich um 7 Prozent auf 19,6 Milliarden Euro zu. Beim Auftragseingang spürte der Konzern die schwächere Nachfrage, er gab von 24,2 auf 22,2 Milliarden Euro nach. Damit habe sich Siemens aber deutlich besser als die meisten Wettbewerber behauptet, sagte Löscher. Das Ergebnis der Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit kletterte von Oktober bis Dezember um 20 Prozent auf 2 Milliarden Euro. Unter dem Strich brach der Gewinn von 6,5 auf 1,2 Milliarden ein, doch hatte Siemens im Vorjahreszeitraum einen hohen Sonderertrag durch den Verkauf des Automobilzulieferers VDO verbucht.

An dem operativen Ergebnisziel der drei Sektoren von 8,0 bis 8,5 Milliarden Euro für das Gesamtjahr hielt Siemens zwar fest. Voraussetzung sei aber, dass es nicht auf Seiten der Kunden zu wesentlichen Verzögerungen oder Stornierungen von Großprojekten komme und die Preise nicht noch weiter gedrückt würden. “Man muss sehen, wie die Kunden sich im Einzelnen verhalten“, sagte Kaeser.

Dabei könne sich Siemens auf den Konzernumbau stützen, der mit dem Abbau von rund 17 000 Arbeitsplätzen einhergeht. “Wir haben früh begonnen, Siemens wetterfest zu machen“, sagte Löscher. Die weltweite Nachfrageflaute sei besonders im Industrie-Sektor des Unternehmens zu spüren. Hier schrumpfte der Bestelleingang im ersten Quartal im Jahresvergleich um elf Prozent. Vor diesem Hintergrund will der Konzern seine Einsparungen in der Verwaltung weiter entschlossen umsetzen. Möglicherweise könnte der Sparkurs auch noch einmal verschärft werden, deutete Finanzchef Kaeser an: “Für den Fall, dass weitere Maßnahmen nötig sind, werden wir die natürlich prüfen.“

Löscher bestätigte auch Gespräche über Kurzarbeit an drei Siemens-Standorten. “Wir sind in Gesprächen mit Arbeitnehmervertretern.“ Man wolle aber auch alle anderen Mittel nutzen - beispielsweise flexible Arbeitszeiten und -strukturen. Grundsätzlich sei der Konzern mit seinen bundesweit 100 Standorten gut aufgestellt. Details zu den Standorten sowie zur Zahl der möglicherweise betroffenen Beschäftigten nannte Löscher nicht.
dpa

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