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Siemensianer im Ausstand: Am Werk im bayerischen Ruhstorf protestierten in den vergangenen Monaten wiederholt Mitarbeiter gegen den Stellenabbau.  

Interessensausgleich steht

Siemens streicht 1650 Jobs in Bayern

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München – Der Stellenabbau war angekündigt. Jetzt herrscht Klarheit zu den Details. 1700 Stellen streicht Siemens in der Antriebssparte – 1650 davon in Bayern. Damit fällt der Stellenabbau etwas geringer aus als befürchtet.

Nach monatelangen Verhandlungen sind die Zahlen nun fix: Der Elektro-Konzern Siemens streicht 1700 Stellen in seiner Sparte „Prozessindustrie und Antriebe“ in Deutschland. Einem entsprechenden Interessenausgleich hatte der Siemens-Gesamtbetriebsrat am Montag zugestimmt, wie die IG Metall Bayern gestern mitteilte. Damit fällt der Stellenabbau etwas geringer aus, als zunächst erwartet. Im März, als die Münchner den geplanten Abbau bekannt gaben, war noch von 2000 Stellen in Deutschland die Rede, die gestrichen beziehungsweise ins Ausland verlagert werden sollten. Betroffen sind allerdings – nach wie vor – vor allem Standorte in Bayern, wie ein Siemens-Sprecher gestern bestätigte.

Im Einzelnen fallen demnach in Nürnberg 590 Stellen weg – geplant waren zunächst 730. In Ruhstorf bei Passau geht es nun um 600 statt 710 Arbeitsplätze. In Bad Neustadt an der Saale werden 330 (statt 370) Stellen gestrichen. In Erlangen geht es nun um 130 statt 160 Stellen. In Summe fallen damit 1650 Jobs in Bayern weg. Die restlichen 50 Stellen verteilen sich auf kleinere Siemens-Standorte außerhalb Bayerns.

Firmenseite „in den Verhandlungen unnachgiebig“

Der Abbau soll laut Siemens bis 2020 abgeschlossen sein. Angaben dazu, wie viele Stellen komplett gestrichen, wie viele ins Ausland verlagert werden, gab es nicht. „Das sind harte Einschnitte, deshalb lassen wir uns Zeit“, erklärte ein Siemens-Sprecher. Es gebe keine betriebsbedingten Kündigungen, betonte er. Man werde andere Lösungen finden. So sei die Vermittlung betroffener Mitarbeiter auf andere Stellen im Konzern angedacht. Aber auch Abfindungen oder der Übergang in Auffanggesellschaften seinen möglich.

„Die Firmenseite zeigte sich in den Verhandlungen unnachgiebig“, teilte die IG Metall Bayern gestern mit. IG Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler sprach von einer Enttäuschung für die Beschäftigten in den betroffenen Betrieben. „Die Abbauzahl ist schmerzlich und aus Arbeitnehmersicht nicht zufriedenstellend“, sagte er. Abgemildert wird das Ergebnis unter anderem durch gut ausgestattete Auffanggesellschaften, umfangreiche Qualifizierungsmöglichkeiten und Regelungen zu vorgezogenen Altersteilzeitoptionen, auf die man sich geeinigt habe, so die Gewerkschaft. Zwar habe Siemens zugesagt, alle Produktionsstandorte zu erhalten, doch gebe es große Sorgen vor allem um Ruhstorf, sagte Wechsler. Dort sollten lediglich Teile der Elektromotorenfertigung erhalten bleiben. Wechsler forderte Siemens erneut auf, die Verlagerung von Stellen in billigere Länder grundsätzlich zu stoppen.

Siemens hatte die Einschnitte im März mit der Nachfrageflaute in der Öl- und Gasbranche begründet. Es gehe darum, Arbeitsinhalte und Größe der Fertigungsstandorte in Europa zu konzentrieren, um wettbewerbsfähiger zu werden, hieß es. Die Einschnitte seien schmerzhaft, aber nötig.

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