Siemens streicht 6450 Stellen in Deutschland

München/Nürnberg/Berlin - Das Milliarden-Sparprogramm beim Elektrokonzern Siemens kostet dem Vernehmen nach weltweit mehr als 17 000 Arbeitsplätze, davon 6450 in Deutschland.

Insgesamt will das Unternehmen nach dpa-Informationen 17 150 Jobs streichen, davon etwa zwei Drittel im Rahmen der Einsparungen in Vertrieb und Verwaltung. Offiziell wurden die Zahlen, über die zuvor mehrere Zeitungen berichtet hatten, am Freitagabend weder von Siemens noch von der IG Metall bestätigt. Der Konzern will bis 2010 rund 1,2 Milliarden Euro an Vertriebs- und Verwaltungskosten einsparen und hatte bereits klargemacht, dass dies Arbeitsplätze kosten werde. Wie viele Beschäftigte und welche Standorte davon betroffen sein werden, ließ das Unternehmen aber bisher offen.

In Deutschland wird Franken dem Vernehmen nach am härtesten von den Einschnitten getroffen. In Erlangen sollten 1330 Arbeitsplätze wegfallen und in Nürnberg weitere 540, hieß es. Entsprechende Zahlen hatten zuvor bereits die "Nürnberger Nachrichten" genannt. Insgesamt hat Siemens in Franken rund 34 000 Beschäftigte. Zudem sollen in München nach dpa-Informationen 900 Jobs gestrichen werden und in Berlin weitere 340. Siemens beschäftigt in Deutschland rund 130 000 Menschen, weltweit sind es 435 000 Beschäftigte. Auch die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, dass weltweit 17 200 Arbeitsplätze wegfallen sollen.

Laut "Bild"-Zeitung soll das Abbauprogramm in Deutschland ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat sollten am 7. Juli beginnen, berichtete die Zeitung. Bis Herbst solle der konkrete Abbauplan stehen und die betroffenen Mitarbeiter informiert werden. Ein Siemens-Sprecher wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt" soll unterdessen in der Verkehrssparte Mobility jeder zehnten Arbeitsplatz wegfallen. Das Sanierungsprogramm sehe dort den Abbau von 2000 Stellen vor, hieß es. Auch die Schließung einzelner Standorte sei nicht ausgeschlossen, heiße es in Konzernkreisen. Ob davon Werke in Deutschland betroffen seien, stehe noch nicht fest. Die Sparte hat Standorte in Berlin, Braunschweig, Krefeld und München. Insgesamt arbeiteten in dem Bereich weltweit 18 900 Menschen, knapp 10 000 davon in Deutschland, hieß es.

Die Hälfte der Jobs soll laut "Welt" in der Verwaltung von Mobility gestrichen werden. Die Kürzungen betreffen den Informationen des Blattes zufolge vor allem die Fabriken in europäischen Hochlohnländern. Hier machten deutsche Standorte den größten Anteil aus. Der Abbau in der Verkehrssparte sei Teil des Kostensenkungsprogramms bei Siemens.

Siemens-Industrie-Vorstand Heinrich Hiesinger hatte erst vor wenigen Tagen erklärt, man wolle die Probleme in der Verkehrstechnik- Sparte möglichst rasch in den Griff bekommen. Dazu seien auch weitere Produktionsauslagerungen geplant. "Wir brauchen ein gesundes Mischungsverhältnis zwischen eigener Fertigung und Outsourcing", sagte Hiesinger bei einer Veranstaltung in London. Derzeit liefen die Verhandlungen mit deutschen Arbeitnehmervertretern. Die Sparte leidet vor allem unter den Problemen mit der fehlkonstruierten Straßenbahn Combino.

Siemens-Chef Peter Löscher nannte in einem am Freitag bekanntgewordenen Brief an die Mitarbeiter keine konkreten Zahlen zu dem geplanten Stellenabbau. Er betonte in dem Schreiben aber: "Wir möchten schnell Klarheit schaffen, einen fairen Interessenausgleich für die betroffenen Mitarbeiter aushandeln, soziale Härten vermeiden und möglichst auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten." Zugleich verteidigte Löscher die drastischen Einschnitte. Auch Siemens werde die gestiegenen Risiken der Weltwirtschaft in den kommenden Monaten zunehmend zu spüren bekommen und müsse daher wettbewerbsfähiger werden.

Am 7. Juli werde der Wirtschaftsausschuss, also das Gremium aus Vertretern der Arbeitnehmerseite und der Unternehmensleitung, über die Maßnahmen beraten, erklärte Löscher in dem Brief. Zur Vorbereitung auf die Sitzung seien dem Ausschuss am Freitag Unterlagen übermittelt worden. Zu den Milliarden-Einsparungen in Vertrieb und Verwaltung sollten Kostensenkungen bei externen Beratern und in der IT "erheblich" beitragen. "Ein weiterer wesentlicher Beitrag muss aber auch aus einer Verschlankung der Zentralen und Verwaltungsfunktionen kommen - und zwar in der Konzernzentrale genauso wie in den Sektoren und auf der regionalen Ebene", erklärte Löscher.

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