Siemens streicht tausende Arbeitsplätze

- München - Einen Tag nach der Bundestagswahl hat der SiemensKonzern den Abbau tausender Arbeitsplätze verkündet. Allein beim ITDienstleister SBS sollen in Deutschland in den nächsten beiden Jahren 2400 Stellen gestrichen werden, sagte Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld am Montag in München. Nach Informationen der IG Metall sollen rund zwei Drittel der 63 deutschen SBS-Standorte geschlossen werden.

SBS-Chef Adrian von Hammerstein nimmt seinen Hut. Insgesamt wird sich der Konzern durch Stellenstreichungen und Abspaltungen in seinen Krisensparten voraussichtlich von mehr als 10 000 Jobs trennen. Siemens ist mit mehr als 160 000 Beschäftigten in Deutschland einer der größten Arbeitgeber.

Weiteren Arbeitsplatzabbau im größeren Stil soll es in der Kommunikationssparte Com geben. Nach Einschätzung in Branchenkreisen könnten in dem defizitären Bereich von 3000 bis über 4000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Zudem gliedert Siemens in der Logistiksparte L&A einen Geschäftsbereich mit 5000 Beschäftigten in eine eigenständige Gesellschaft aus, um sich wahrscheinlich von diesem Geschäft zu trennen. Die IG Metall kündigte Widerstand an. "Die Beschäftigten sind sehr verunsichert", sagte Aufsichtsrat Wolfgang Müller. Die Geschäftsführung setze zu stark auf kurzfristige Renditeverbesserungen. Siemens hatte in den vergangenen Jahren bereits zehntausende von Stellen gestrichen.

Siemens plane bei SBS, 41 von 63 Standorten aufzugeben, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer in München. Von dem geplanten Abbau von 2400 Stellen in Deutschland seien vor allem München und Paderborn betroffen. SBS hat 37 000 Beschäftigte, davon 15 000 in Deutschland. Siemens ließ offen, wo die Stellen in Deutschland bei SBS gestrichen werden sollen.

Kleinfeld wollte unter Hinweis auf laufende Verhandlungen keine Größenordnung für den Stellenabbau bei der Kommunikationssparte nennen. Siemens gab lediglich bekannt, dass Vertrieb und Service im Firmenkundengeschäft bei Com umstrukturiert werden sollen. Einschnitte seien hier unter anderem wegen der schwachen Inlandskonjunktur und der Kaufzurückhaltung bei mittelständischen Kunden notwendig, hieß es nach einer Sitzung des Zentralvorstands. "Damit sind Personalanpassungen verbunden, zu denen das Unternehmen Gespräche mit Arbeitnehmervertretern und IG Metall führt." Die Sparte hat derzeit weltweit rund 60 000 Mitarbeiter, davon gut ein Drittel in Deutschland.

Vorstandschef Kleinfeld sagte, die Krisensparten sollten schnell auf einen Kurs profitablen Wachstums gebracht werden. "Die notwendigen Maßnahmen setzen wir konsequent um." Nur erfolgreiche Geschäfte könnten Arbeitsplätze sichern und schaffen. Kleinfeld betonte, dass der Termin kurz nach der Bundestagswahl Zufall sei. Man habe das Vorgehen mit Arbeitnehmervertretern absprechen müssen, dies erfordere seine Zeit. "Der Beratungsbedarf ist immens, dafür haben wir unseren eigenen Kalender." Die IG Metall kritisierte scharf, dass Siemens den Stellenabbau erst unmittelbar nach der Bundestagswahl bekannt gab. Damit sei offenbar Rücksicht genommen worden auf Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, der wirtschaftspolitischer Berater von Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel ist.

Bei L&A gliedert Siemens wie bereits angekündigt das Produkt- und Systemgeschäft für Materialfluss-Lösungen in die neue Dematic GmbH aus. "In dieser Aufstellung soll das neue Unternehmen flexibler am Markt agieren und partnerschaftliche Lösungen anstreben." Da das Geschäft künftig in der Bilanz nur noch unter "sonstige operative Aktivitäten" auftaucht, dürfte eine Trennung aber wahrscheinlich sein. Mit Wirkung zum 1. Oktober wird der Bereich L&A aufgelöst. Das verbliebene Geschäft wird auf andere Sparten verteilt.

Bei SBS will Siemens die Kosten bis 2007 um 1,5 Milliarden Euro drücken. Dabei gibt es auch einen Führungswechsel. Hammerstein lege sein Amt auf eigenen Wunsch nieder, hieß es. Die Leitung von SBS werde Christoph Kollatz übertragen. Der 44-Jährige verantwortet bisher das Geschäftsgebiet Intelligente Verkehrssysteme bei den Industriellen Dienstleistungen.

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