Siemens streicht tausende Stellen

- München - Siemens-Chef Klaus Kleinfeld greift hart durch. Der Münchner Technologie-Konzern wird in seinen drei Problemsparten radikale Einschnitte vornehmen. Tausende Arbeitsplätze werden gestrichen, ein ganzer Bereich wird zerschlagen.

Die Problemsparten sind der Informationstechnik-Dienstleister SBS, das Kommunikationsgeschäft Com und die Logistiksparte L & A. Zusammen haben sie im vergangenen Quartal fast 230 Millionen Euro Verlust verursacht und sind nun Ziel drastischer Maßnahmen, die vermutlich rund 10 000 Mitarbeiter betreffen.

SBS

SBS bietet Dienstleistungen rund um die Informationstechnik an. Der Bereich schrieb im vergangenen Quartal ein Minus von 109 Millionen Euro. Bis 2007 sollen die Kosten um 1,5 Milliarden Euro heruntergefahren werden. "Neben einer deutlichen Senkung der Sach- und Prozesskosten müssen Überkapazitäten reduziert werden", erklärte Siemens. Deshalb werden in den nächsten zwei Jahren in Deutschland 2400 Stellen abgebaut. Nach Einschätzung der IG Metall ist München dabei mit 800 bis 900 Stellen betroffen. Der bisherige Bereichsvorstand Adrian von Hammerstein legt sein Amt "auf eigenen Wunsch" nieder, wie es in einer Mitteilung hieß. Nachfolger wird Christoph Kollatz, der bisher im Bereich Industrie-Dienstleistungen tätig war.

Com

Zwar scheinen die Handys bei ihrem künftigen Eigentümer BenQ wieder eine Perspektive zu haben. Doch auch in anderen Teilen der Kommunikationssparte kriselt es, der Verlust betrug (ohne die Handys) zuletzt 70 Millionen Euro. Hier sind in erster Linie Vertrieb und Service im Geschäft mit Firmen-Netzwerken betroffen. Neue Anlagen erforderten weniger Installations- und Wartungs-Aufwand. Zudem spüre man die schwache Inlands-Konjunktur und die Investitions-Zurückhaltung mittelständischer Kunden, teilte Siemens mit. Deshalb sei eine Reduzierung der Personal-Kapazität nötig. Siemens nannte keine Zahl. Branchenexperten rechnen mit mehreren tausend Stellen. Eine rechnerische Reduzierung der Kapazitäten könne auch über Arbeitszeitverkürzung oder niedrigere Gehälter erfolgen, erklärte ein Konzernsprecher. "Am Ende gibt es möglicherweise eine Kombination aus mehreren Maßnahmen." Doch auch für andere Teile des Kommunikationsgeschäfts schloss Kleinfeld weitere Maßnahmen nicht aus. "Heute ist es nicht angemessen, über weitere Themen zu reden", sagte er.

L & A

"Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen", lautet das Motto in der Logistiksparte, die zuletzt einen Verlust von 49 Millionen Euro verursachte. Der gesamte Bereich wird zerschlagen. Die erfolgreichen Teile gehen in den Sparten Industrie-Dienstleistungen sowie Automatisierung auf. Das defizitäre Geschäftsgebiet Distribution und Industrie wird in eine neue Tochter-Gesellschaft - Dematic GmbH - ausgegliedert. Diese wird rund 5000 Mitarbeiter - 1000 davon in Deutschland - umfassen. Ziel ist es, mehrere Partner für dieses Geschäft zu gewinnen.

Die Siemens-Aktie notierte kaum verändert um 64 Euro. "Siemens nennt die Dinge jetzt beim Namen. Man hat den Eindruck, dass es vorangeht", erklärte ein Analyst einer Großbank. Seiner Einschätzung nach will Siemens mögliche Rückstellungen für die Maßnahmen im laufenden Geschäftsjahr verbuchen, das am 30. September endet.

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