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An Straßenlaternen sollen künftig Kästchen mit Radarsensoren angebracht werden, die dem Autofahrer per Handy-App freie Parkplätze melden. Das System kann freilich auch Falschparker an die Politesse melden.

Siemens sucht den Parkplatz

München - Siemens will die nervtötende Suche nach der Parklücke mit moderner Technik erleichtern. Das könnte zudem der Umwelt helfen, aber auch Falschparker melden.

Siemens hilft bei der Suche nach freien Parkplätzen. Anfang April startet der Technologiekonzern einen ersten öffentlichen Pilotversuch auf einem Kilometer der Berliner Bundesallee, Ende des Jahres will Marcus Zwick im großen Stil lieferfähig sein. „Es funktioniert“, ist sich der Leiter Siemens-Innovationsabteilung für Mobilität sicher.

Was ihn so euphorisch macht, ist ein Kästchen mit Radarsensoren, das künftig an Straßenlaternen von Berlin bis München und von London bis Dubai hängen soll. Es meldet per Handy-App oder Navigationssystem an Autofahrer, wo ein Parkplatz frei ist. Nerviges Suchen nach einer freien Lücke in Innenstädten gehört damit der Vergangenheit an.

„Das Fahrzeug ist eigentlich ein Stehzeug“, sagt Zwick. Denn im Schnitt parkt ein Auto 23 Stunden täglich. Bis es soweit ist, vergeht aber oft viel Zeit. Hierzulande dauert eine Parkplatzsuche im Schnitt zehn Minuten, hat Europas führender Parkhausbetreiber Apcoa ermittelt. „Fast ein Drittel des innerstädtischen Verkehrs ist Parkplatzsuche“, weiß Zwick. Beim Spähen nach der Parklücke werden im Schnitt 4,5 Kilometer zurückgelegt, was mit 1,35 Euro Kosten und 1,3 Kilogramm Kohlendioxidausstoß zu Buche schlägt.

Die Idee mit gezielter Parkplatzsuche per moderner Technik ist nicht neu. Konkurrenten sind mit im Boden versenkten Sensoren bereits am Markt. Siemens hält die eigene Technik aber für überlegen und kostengünstiger. Ein Siemens-Sensor kann von oben sieben Parkplätze zugleich erfassen. Er ist anders als Bodensensoren wartungsfrei, witterungsunabhängig und er ermöglicht weitere Anwendungen. So können die Sensoren nicht nur Autofahrern melden, wo ein Platz für sie frei ist, sondern auch einer Politesse, wo jemand falsch parkt, sagt Zwick.

Anders herum meldet das System dem Autofahrer auch, wenn er illegal parkt. Von Masten herabscannende Sensoren erfassen zudem den fließenden Verkehr. Damit kann das System auch dazu genutzt werden, nachts Straßenbeleuchtung nur dann anzuschalten, wenn Autos oder Radfahrer unterwegs sind. „Unser System ist lernfähig,“ betont Zwick. Nach einer Zeit könne es einem Autofahrer noch im Wohnzimmer sagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit er in einem bestimmten Innenstadtbereich in 30 Minuten einen Parkplatz finden wird. Fährt er los und kommt er dem Ort nahe, wo er parken will, wird ein konkreter Parkplatz gemeldet und zwar einer, der von der Länge her auch passt. Dabei würden Persönlichkeitsrechte stets gewahrt, verspricht Zwick. Die Technik erfasse nur Objekte, keine Menschen oder auf sie zurückführbare Daten.

In San Francisco sind konkurrierende Systeme mit Bodensensoren bereits seit 2010 im Einsatz. In senorgesteuerten Parkgebieten wurde der Parksuchverkehr um 43 Prozent reduziert, lautete eine Erkenntnis. 30 Prozent der Pendler sind auf öffentlichen Nahverkehr umgestiegen, im Wissen, dass wahrscheinlich kein Parkplatz für sie frei ist, war eine andere gewonnene Ergebnis.

Was die Technologie kostet, will Zwick nicht sagen. Er verspricht aber, dass sie für Städte bezahlbar ist und sich binnen Kurzem amortisiert. Er räumt ein, dass deutsche Städte aber eher konservativ sind. Im Gespräch steht Siemens wegen der Parkplatzsensoren unter anderem mit München und Köln. Großes Interesse an der neuen Technik würden britische Metropolen zeigen, aber auch die Ölstaaten des Mittleren Ostens. So startet in Dubai ein zweiter Pilotversuch. Finanzierungsprobleme gibt es dort keine. „Dubai will die verkehrstechnisch modernste Stadt der Welt werden“, sagt Zwick und baut auf Aufträge. Erste Zielmärkte seien auch Italien und China.

Hierzulande will Siemens die Städte noch mit anderen Argumenten ködern. In deutschen Metropolen sei Feinstaub ein immer größer werdendes Problem, weiß Zwick. Die Kommunen würden deshalb nach Puzzlestücken suchen, mit denen sich die Feinstaubbelastung senken lässt. Drastisch sinkender Parksuchverkehr wäre ein solches Puzzleteil. Städte müssten auch nicht flächendeckend mit Laternensensoren bestückt werden. Es reiche die Erfassung von Problemzonen.

Zufrieden machen wollen die Siemens-Entwickler auch Konzernchef Joe Kaeser. Siemens brauche mehr Innovationen, forderte der zuletzt. Die binnen eines Jahres entwickelte Parkplatz-Technik soll ein vorzeigbares Beispiel dafür sein.

Thomas Magenheim-Hörmann

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