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Nach Führungschaos und Machtgerangel übernahm Joe Kaeser vor einem Jahr den Chefposten bei Siemens. In seinem ersten Jahr an der Spitze des Elektro-riesen hat der Niederbayer sich und dem Unternehmen viel abverlangt: vom größten Konzernumbau seit Jahren über den Milliarden-Poker um Alstom bis zu neuen Übernahmespekulationen.

Siemens trotzt politischen Krisen

München - Nach einem Jahr an der Siemens-Spitze präsentiert Joe Kaeser gemischte Quartalszahlen: Die Münchner steigern den Gewinn wegen wegfallender Sonderlasten. Während Russland und Argentinien keine Probleme bereiten, drücken Altlasten auf die Bilanz.

Weder die Ukraine-Krise noch die drohende Staatspleite Argentiniens bringen Siemens aus dem Tritt. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahrs 2013/14, das Anfang Oktober endet, ist der Konzerngewinn nach Steuern um ein Fünftel auf gut vier Milliarden Euro gewachsen, gab Siemens-Chef Joe Kaeser in München bekannt. Allein im gerade abgelaufenen dritten Quartal lag das Gewinnplus bei über einem Viertel. Bis Geschäftsjahresende soll in jedem Fall ein um mindestens 15 Prozent höherer Profit zu Buche stehen. Damit habe man einen Puffer für alle Eventualitäten, betonte Kaeser mit Blick auf politische Risiken.

Die Russland-Krise berge für Siemens allerdings keine großen Überraschungen angesichts von dort jährlich gerade zwei Milliarden Euro Umsatz. „Bei Sanktionen wird Siemens der Erste sein, der sich daran hält“, versicherte Kaeser. Vor einigen Monaten war er noch heftig für einen Besuch bei Russlands Staatschef Wladimir Putin kritisiert worden. Nur einige hundert Millionen Euro Jahresumsatz stehen für Siemens in Argentinien im Feuer, ein Bruchteil davon in Form von Staatsgeschäften.

Ein vorerst nicht endendes Trauerspiel für die Münchner sind aber anhaltende Belastungen aus missratenen Projekten. Im gerade abgelaufenen Quartal belasteten die Anbindung eines Nordseewindparks und eine britische Hochspannungstrasse, die in der Summe mit 155 Millionen Euro negativ zu Buche schlugen. Auf Jahressicht glaubt Kaeser die Verluste durch falsch kalkulierte Aufträge gemessen an 2012/13 auf 600 bis 700 Millionen Euro halbieren und in den Jahren danach möglichst ganz eliminieren zu können.

Finanziell belasten wird im neuen Geschäftsjahr 2014/15 der im Mai angekündigte radikale Konzernumbau, dem möglicherweise tausende Stellen zum Opfer fallen. Über das Ausmaß schweigt Kaeser sich weiter aus. Nun werden im Herbst dazu Details erwartet. Abfedern will der Siemens-Chef die Umbaukosten 2015 durch einen Börsengang der Hörgerätesparte. Nächstes Jahr sollen auch endlich die Altlasten überwunden sein, die vor allem in Projekten aus dem Geschäft mit Energieübertragung lauern.

An der Börse kommt das Wirken Kaesers, der vor genau einem Jahr das Ruder vom gescheiterten Ex-Chef Peter Löscher übernommen hat, indessen gut an. Die Aktie der Münchner legte in einem ansonsten fallenden Dax als einer von nur vier Werten zu. Anders als noch unter Löscher rüttelt Siemens nicht mehr an Prognosen. Die Ergebnisverbesserungen kommen andererseits ausschließlich durch verminderte Sonderlasten zu Stande, die im Vorjahreszeitraum 2013 noch über 400 Millionen Euro betrugen.

Im Umsatz stagniert Siemens nach neun Monaten weiterhin und zwar bei gut 58 Milliarden Euro. Rechnet man Währungseffekte dazu sind die Erlöse in Euro um rund drei Prozent geschrumpft. Gleiches gilt für den Auftragseingang, der nach neun Monaten 2013/14 bei insgesamt 52 Milliarden Euro steht. Ende Juni beschäftigte Siemens weltweit 357 000 Mitarbeiter. 116 000 Beschäftigte zählt der Konzern in Deutschland.

Von Thomas Magenheim-Hörmann

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