Siemens: Über 10 000 Arbeitsplätze ins Ausland

- München - Bei Siemens droht in Deutschland neuerlich der Abbau Tausender Stellen und auch ein Aus für einzelne Standorte. Ende März sollen die Pläne verkündet werden. Konzern und Betriebsrat nehmen vorerst keine Stellung.

<P>Der Münchner Technologiekonzern steht offenbar vor einer größeren Verlagerung von Stellen und Werken ins Ausland. Es gehe um über 10 000 der hier zu Lande noch 170 000 Siemens-Arbeitsplätze, sagte ein Insider in München. Betroffen seien die Geschäftsbereiche Mobilfunk, Netzwerke, Verkehrstechnik, Automatisierung und Energieübertragung.<BR><BR>Dabei gehe es um Werkszusammenlegungen und eine teilweise Verlagerung nach China und andere asiatische Länder oder Osteuropa. Siemens selbst schweigt dazu. Konzernchef Heinrich von Pierer spielt aber seit einigen Monaten öffentlich mit dem Gedanken, weitere Verwaltungsjobs und Fertigung in Billiglohnstandorte zu verlegen. Dabei stünden nicht nur Massenfertigungen zur Debatte, sondern erstmals auch Ingenieursstellen. <BR><BR>Es sei "im Sinn der Zukunftsfähigkeit von Siemens geradezu unsere Pflicht, kostengünstige Standorte zu nutzen", ließ der Konzernlenker sein Personal jüngst in der Mitarbeiterzeitung "Siemens Welt" wissen.<BR><BR>Konkret bekannt waren bisher nur neue Abbaupläne für die nordrhein-westfälischen Fabriken in Bocholt und Kamp-Lintfort, wo Handys und schnurlose Telefone gebaut werden. Hier droht der Verlust von 2000 der dort 4500 Stellen, heißt es. Darüber hinaus will die Netzwerksparte in Bruchsal bis zu 600 Stellen streichen.<BR><BR>Die nun genannten weit größeren Dimensionen sind im Detail noch unbekannt. Das gilt auch für die Zeiträume der Verlagerung. "Es gibt noch keine Beschlüsse", sagte eine Siemens-Sprecherin. Sie verwies auf eine Sitzung des Siemens-Wirtschaftsausschusses am 31. März. Dabei werde dieses Gremium des Konzernbetriebsrats über entsprechende Pläne des Managements informiert. Tags darauf will Siemens-Gesamtbetriebsratschef Ralf Heckmann mit Vertretern der IG Metall die Abbaupläne im Detail öffentlich machen.<BR><BR>Die neue Welle der Stellenverlagerung entspricht der jüngsten Siemens-Strategie. Vor zehn Jahren zählte der Konzern hier zu Lande 238 000 Mitarbeiter. Heute sind es nur noch 170 000 Frauen und Männer. Die Zahl der ausländischen Siemensianer stieg parallel dazu von 153 000 auf 247 000 Personen. Als Massenentlassungen will Pierer diese Entwicklung mit Blick auf heimische Standorte nicht verstanden wissen. "Wenn Volkswirtschaften im Ausland ein Wachstum von 4 % pro Jahr erzielen und es in Deutschland nur 1,5 % sind, liegt es auf der Hand, dass die Zahl der Siemens-Mitarbeiter im Ausland schneller steigt", meinte er zuletzt. Schon jetzt macht Siemens vier Fünftel von zuletzt 74 Milliarden Euro Jahresumsatz im Ausland.<BR></P>

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