Siemens übernimmt Getriebehersteller Flender

- München/Bocholt - Der Siemens-Konzern setzt seine milliardenschwere Einkaufstour mit der Übernahme des Bocholter Getriebespezialisten Flender mit 6700 Mitarbeitern fort. Durch die Akquisition solle das Geschäft mit der industriellen Antriebstechnik gestärkt werden, teilte Siemens am Mittwoch in München mit. Verkäufer ist die Beteiligungsgesellschaft Citigroup Venture Capital Equity Partners. Flender hatte einst zur Babcock-Gruppe gehört und war dann an den Finanzinvestor gegangen. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Der überwiegende Teil der Flender-Mitarbeiter ist in Deutschland beschäftigt. Siemens werde alle Standorte übernehmen, sagte ein Konzernsprecher. Zur Zukunft der Arbeitsplätze wollte er sich noch nicht konkret äußern. Siemens übernehme Flenders aber, um sein Portfolio abzurunden und in dem Teilmarkt zu wachsen und nicht in erster Linie, um Kostensynergien zu bergen. "Generell gilt aber für jeden Siemens-Standort, dass er seine Profitabilität erbringen muss, um international wettbewerbsfähig zu sein." Laut Siemens arbeitet Flenders profitabel.<BR><BR>Mit weltweit 80 Standorten und einem Umsatz von zuletzt gut einer Milliarde Euro zählt die Flender-Gruppe zu den weltweit führenden Anbietern von mechanischer und elektrischer Antriebstechnik. Der Bocholter Konzern macht ein Drittel seines Umsatzes mit Getrieben für Windkraftanlagen. Die Aktivitäten der Flender Holding GmbH sollen in den Siemens-Bereich Automation and Drives (A&D) integriert werden. Nach Angaben des Siemens-Sprechers liegt Flender bei der Profitabilität innerhalb der Zielmargen, die der Konzern A&D verordnet hat. Dies würde eine Rendite vor Steuern und Zinsen von 11 bis 13 Prozent bedeuten. Siemens betreibt in Bocholt bereits ein Werk für mobile Festnetztelefone, um dessen Bestand in den vergangenen Monaten hart gerungen wurde.<BR><BR>Siemens sitzt auf einem hohen Bestand von Barmitteln. Zuletzt kauften die Münchner unter anderem den österreichischen Industriekonzern VA Tech und den Wasserspezialisten US Filter. Siemens steigt mit dem Kauf des dänisches Unternehmens Bonus, eines der weltgrößten Hersteller von Windkraftanlagen, zudem in den Windenergie-Markt ein. Flender ist seit längerer Zeit Zulieferer für Bonus.<BR><BR>Bocholts IG-Metall-Konzernbevollmächtigter Heinz Cholewa begrüßte den Einstieg von Siemens bei Flender. "Bocholt und Siemens ist eine untrennbare Einheit", sagte er. Dass nach dem Finanzinvestor Citigroup mit Siemens ein industrieller Partner gefunden wurde, bezeichnete er aus Gewerkschaftssicht als "die beste Lösung". Flender sei kein Konkurrent von Siemens, die Produkte beider Unternehmen ergänzten sich. Der Vorsitzende des Flender-Konzernbetriebsrates, Andreas Wendland, sagte für die weltweit 6500 Flender-Beschäftigten, die Belegschaft hoffe, eine langfristige Plattform gefunden zu haben. "Wir sind ein gesundes, stabiles Unternehmen, wir sind kein Sanierungsfall", sagte er. 

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