Siemens überrascht trotz Tram-Desaster und Handy-Flaute

- München - Siemens bekommt das Problem mit dem Trambahnmodell Combino technisch in den Griff. Die finanziellen Auswirkungen sind offen, aber wohl überschaubar. Trotz aller Probleme blickt der Konzern auf ein überraschend erfolgreiches drittes Quartal zurück.

<P>Der Technologiekonzern hat für seinen Pannenzug Combino nun ein Konzept zur Dauersanierung parat. "Wir sehen Licht am Ende des Tunnels," sagte Konzernchef Heinrich von Pierer zum Großproblem. Die endgültigen Kosten wolle er vor abschließenden Tests, die derzeit in Erfurt laufen, aber nicht nennen. Im dritten Quartal habe man dafür nochmals 26 Millionen Euro zurückgestellt und die Summe, die beim Combino im Feuer steht, so auf gut 300 Millionen Euro erhöht.</P><P>Beim Trammodell sind Anfang des Jahres Risse im Chassis festgestellt worden, wodurch das Dach auf die Fahrgäste hätten stürzen können. Eine technischen Lösung scheint nun gefunden. Nach dem Praxistest müssten Gutachter und Zulassungsstellen dem Reparaturkonzept zustimmen, sagte Pierer.</P><P>Mit einer Umsetzung könne man 2005 beginnen. Um Trambahnen schon früher wieder zum Laufen zu bringen, würden die Züge derzeit in acht deutschen Städten erst einmal provisorisch saniert. Mit einem Verlust von 48 (Vorjahreszeitraum plus 74) Millionen Euro bleibt der Verkehrstechnikbereich im dritten Quartal 2003/04 größtes Sorgenkind im Konzern. </P><P>Zweite Problemsparte sind elektronische Dienstleistungen. Auch hier fiel ein Quartalsverlust an. Defizitär war auch der Verkauf von Mobiltelefonen, der im dritten Quartal 88 Millionen Euro Verlust brachte. Hier erwartet Pierer nach einem Generationswechsel schwarze Zahlen im Schlussquartal des am 30. September endenden Geschäftsjahrs. Die meisten Geschäfte laufen aber gut. So ist der Bereich Automatisierung im dritten Quartal mit 308 Millionen Euro Betriebsgewinn erstmals zur profitabelsten Sparte aufgestiegen. Unter dem Strich könne Siemens die Zielsetzungen für das Gesamtjahr erhöhen, sagte Pierer, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Bislang hatte er von prozentual einstelligen Umsatzzuwächsen und zweistelligen Ergebnisverbesserungen bis Ende 2003/04 gesprochen. Nach neun Monaten sind die Vorsteuergewinne ohne Sondereffekte um gut ein Drittel auf knapp 2,8 Milliarden Euro gestiegen. Das operative Ergebnis kletterte um 21 Prozent auf gut 1,2 Milliarden Euro. Nach Steuern blieb ein Gewinn von 815 Millionen Euro - ein Plus von 29 Prozent. Die Umsätze wuchsen im dritten Quartal erstmals seit zwei Jahren wieder - um fünf Prozent auf 18,2 Milliarden Euro.</P><P>Der Heimatmarkt verliert für Siemens immer mehr an Bedeutung. Im dritten Quartal hatte Deutschland 19 Prozent Anteil an den Bestellungen. Vor Jahresfrist betrug die Quote 22 Prozent. Von weltweit 418 000 Beschäftigten arbeiten noch 165 000 im Inland.</P>

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