Siemens VDO: Zum Börsengang werden Arbeitsplätze abgebaut

- München ­- Der Siemens-Sparte VDO geht es blendend. Der Automobilzulieferer verdient mehr als im Konzern erwartet, wird von Analysten als "Perle" gelobt und von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld als einer der erfolgreichsten Unternehmens-Bereiche. Trotzdem sollen bei VDO mutmaßlich 700 Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen werden. Belegschaftsvertreter wittern einen Zusammenhang mit Börsenplänen. Siemens widerspricht.

Man ist froh bei Siemens, dass man VDO hat. Als "einer der weltweit führenden Automobilzulieferer für Elektronik und Mechatronik" stellt sich die Sparte dar. Zehn Milliarden Euro Umsatz und 670 Millionen Euro Gewinn hat der Bereich im vergangenen Jahr erzielt. Damit übertraf er die konzerninterne Renditevorgabe von fünf bis sechs Prozent des Umsatzes. Und zuletzt half er, die Stimmung auf der Hauptversammlung zu retten.

Siemens hatte in der Nacht vor seinem skandalüberschatteten Aktionärstreffen Ende Januar angekündigt, einen Anteil von 25 bis 49 Prozent von VDO über einen Börsengang zu verkaufen. Das trug zu einem rasanten Anstieg der Siemens-Aktie bei und besserte die eher ungemütliche Stimmung der Anteilseigner. Auch die VDO-Belegschaft zeigte sich dem Schritt gegenüber aufgeschlossen ­ bis vor kurzem. Denn jetzt droht mehreren deutschen Werken Stellenabbau.

Keine zwei Wochen nach Veröffentlichung der Börsenpläne hat VDO angekündigt, die Produktivität seiner Standorte zu überprüfen, was auch in Stellenabbau resultieren könne. Über die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze will man sich nicht äußern. Die IG Metall schätzt, dass bis zu 700 Stellen ­ überwiegend in Hessen ­ bedroht sind. Sie wittert einen Zusammenhang mit dem Verkauf. "Die Braut wird schön gemacht für den Börsengang", glaubt der IG- Metall-Bevollmächtigte Bernd Rübsamen.

Das hieße, dass die Belegschaft trotz erfolgreicher Arbeit und hoher Gewinne leiden müsste, damit an der Börse mehr Geld herauszuholen ist. Zumal auch ein direkter Verkauf an einen Wettbewerber denkbar erscheint. Als erster hat Continental sein Interesse an einer Übernahme angemeldet.

Ein VDO-Sprecher dementierte aber einen Zusammenhang zwischen Verkaufsplänen und Stellenabbau. "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun", sagte er. Man stehe in einem "sehr scharfen internationalen Wettbewerb". Die Autohersteller forderten von den Zulieferern jedes Jahr drei bis vier Prozent Preissenkung. Deshalb stünden die Zulieferer vor der "ständigen Aufgabe, an allen Standorten weltweit die Produktivität zu verbessern, um langfristig das Unternehmen und die einzelnen Standorte zu sichern". Das könne in einigen Fällen auch Stellenabbau erfordern.

"In der ganzen Branche herrscht hoher Produktivitätsdruck", erklärt auch der Analyst einer Großbank. In dieser Woche wurde etwa beim Stuttgarter Automobilzulieferer Bosch der Abbau von 1250 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2011 definitiv. Zudem könne angesichts von über 50 000 Arbeitsplätzen bei VDO nicht von einem Schönen der Braut die Rede sein, wenn "nur" 700 Stellen gestrichen würden. Doch das Betriebsklima hat bei VDO offenbar schon gelitten. Der Betriebsratschef in einem der vermutlich betroffenen Werke sagt, die Beschäftigten seien "schockiert und frustriert".

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