Siemens verblüfft Analysten, doch Pierer ist noch nicht zufrieden

- München - Siemens-Chef Heinrich von Pierer will es noch einmal wissen. Bei der Vorlage der Quartalszahlen konnte Pierer zwar trotz schwierigen Umfelds schon einmal erste Erfolge vorweisen. Der 62-Jährige will aber seinem Nachfolger unbedingt ein komplett geordnetes Haus übergeben, und vor allem in den Telekommunikationssparten ist noch viel zu tun.

<P>Daher übernimmt Pierer im Herbst selbst die Verantwortung für das Arbeitsgebiet Information und Kommunikation - Sorgenkinder des Konzerns. Angesichts des Elans und der schweren Aufgabe rechnen Unternehmenskenner damit, dass Pierer noch einmal zwei Jahre an seinen Vertrag dranhängt und das Ruder erst 2006 an seinen Nachfolger übergibt.</P><P>Pierer präsentierte sich bei der Vorlage der Quartalszahlen gut gelaunt - nicht nur, weil es sein letzter Arbeitstag vor dem Urlaub war. Wieder einmal gelang es ihm, Analysten auf dem falschen Fuß zu erwischen. Trotz stärkeren Umsatzrückgangs sank der Gewinn im dritten Quartal des Geschäftsjahres nur um knapp 13 % auf 632 Millionen Euro. Für das laufende Quartal kündigte Pierer, der seit Jahren Prognosen verweigert hatte, eine deutliche Gewinnsteigerung an: "Das Unternehmen ist in voller Fahrt."</P><P>Pierer steht seit über zehn Jahren an der Spitze von Siemens und manchmal im Feuer "Herr von Pierer, bringen Sie den schlingernden Riesentanker Siemens wieder in Fahrt und auf Kurs oder verlassen Sie die Brücke", rief ihm Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz auf der Hauptversammlung 1999 zu. Doch mit seinem Zehn-Punkte-Programm, das unter anderem die Abspaltung der Halbleitersparte (heute Infineon) vorsah, gelang Pierer die Wende. Auch im Hightech-Boom hielt er an der breiten Aufstellung des Konzerns fest _ was ihm herbe Kritik von Aktionärssprecher eintrug. Heute profitiert das Unternehmen von Gewinnen einst "langweiliger" Sparten wie Medizintechnik und Kraftwerksbau.</P><P>Mit dem Sanierungsprogramm war ein dramatischer Arbeitsplatzabbau verbunden. Den früheren Ruf ein Unternehmen mit besonderer sozialer Verpflichtung gegenüber den eigenen Mitarbeitern zu sein, hat Siemens unter Pierers Regiment fast völlig verloren.</P><P>Ursprünglich sollte die "Operation 2003" den Boden für einen Abtritt Pierers bereiten. Den Bereichen setzte er strenge Rendite-Vorgaben. Doch die Konjunktur spielte nicht mit. Für vier Sparten musste die Frist für die Erreichung der Renditeziele offiziell verschoben werden. So könnte der Zeitplan für den Wechsel an der Vorstandsspitze durcheinander geraten sein.</P><P>Auch bei der Vorlage der Quartalszahlen stellte Pierer klar, dass sein Ehrgeiz ungebrochen ist. Nach der Verkündung der Siemens-Personalien habe ihn gestern ein Zeitungsbericht am meisten gefreut, in dem stand, dass er mit seiner Tennis-Mannschaft aufgestiegen ist. Korrekterweise sei auch erwähnt worden, dass er selbst kein einziges Spiel verloren habe. Dennoch war Pierer mit dem Bericht nicht ganz zufrieden: "Ich habe nämlich auch keinen einzigen Satz verloren."</P>

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