Siemens VDO verlagert Teil der Produktion

- Würzburg - Beim Automobilzulieferer Siemens VDO in Würzburg soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Das geht aus einer am Freitag bekannt gewordenen internen Erklärung von Betriebsrat und Standortleitung hervor. Allerdings will Siemens VDO bereits Mitte nächsten Jahres einen Teil der Produktion nach Tschechien verlagern. Dies sei aus Kostengründen nötig, bestätigte das Unternehmen entsprechende Medienberichte.

<P>In dem Brief an die rund 1600 Mitarbeiter in Würzburg kündigte Siemens VDO an, in den kommenden Jahren mehr als 60 Millionen Euro in Anlagen und Produktentwicklung zu investieren. Allerdings seien im Gegenzug Maßnahmen zur Kostensenkung und Flexibilisierung der Arbeitszeiten nötig. Details wurden nicht genannt. Betriebsrat und Standortleitung hätten sich auf ein Eckpunktepapier verständigt, hieß es. Auf dieser Grundlage solle ein bis Mitte 2010 reichendes Konzept zur Sicherung und Entwicklung des Standorts entstehen.<BR><BR>Die IG Metall sieht die Situation für den Standort Würzburg weiter kritisch. "An dem Eckpunktepapier sind noch viele Probleme zu lösen", sagte ein Sprecher. In einigen Bereichen bestünden noch große Differenzen. Verhandlungen über eine konkrete Umsetzung würden vermutlich erst im Mai beginnen. "Ob es dann ein Ergebnis gibt oder nicht, ist noch offen", meinte der Gewerkschaftssprecher. In den vergangenen Wochen hatte es heftige Proteste gegen die Verlagerungspläne gegeben.<BR><BR>In Würzburg sollen künftig vor allem Komponenten für Zukunftstechnologien wie die elektrische Lenkung und die elektromechanische Parkbremse gefertigt werden, hieß es bei Siemens. Aus dem Werk im tschechischen Ostrava sollten dagegen technisch weniger aufwändige Standardprodukte kommen. "Das Werk in Ostrava ist Teil der Beschäftigungssicherung", sagte ein Siemens-Sprecher. Nur mit dem Schwester-Werk im Ausland könnten angesichts des hohen Wettbewerbdrucks auch Arbeitsplätze im Inland gesichert werden.<BR><BR>Die nordmährische Stadt Ostrava (Ostrau) bestätigte unterdessen die Verlagerungsabsichten von Siemens VDO. "In der ersten Phase sind 600 Beschäftigte geplant, weitere 600 sollen in der zweiten Phase hinzukommen", sagte Vize-Oberbürgermeister Petr Kajnar der Prager Zeitung "Mlada fronta Dnes" (Freitagausgabe). Das etwa zehn Hektar große Werk sei die größte Investition in der strukturschwachen Grenzregion zu Polen seit der politischen Wende von 1989, hieß es. Siemens beschäftigt in Tschechien derzeit bei einem Jahresumsatz von 1,6 Milliarden Euro 12 600 Arbeitnehmer.<BR><BR>Die Zeitung "Die Welt" (Freitagausgabe) berichtet, Siemens rechne für den Fall einer Teilverlagerung der Produktion mit einem einmaligen Aufwand von 28,8 Millionen Euro. Die Einsparungen lägen bei 38,1 Millionen Euro, hieß es. Bis Mitte 2009 solle sich dabei die Mitarbeiterzahl in Würzburg von 1564 auf 814 verringern. Ein Unternehmenssprecher wollte diese Zahlen weder bestätigen noch dementieren. "Das ist eine Zahlenspielerei, die wir nicht kommentieren", sagte er auf dpa-Anfrage.</P>

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