Siemens: Versicherer sollen für Affäre haften

München - Ein Versicherer-Konsortium unter der Führung der Allianz soll offenbar für einen Teil des Schadens aus der Siemens-Schmiergeldaffäre aufkommen. Siemens habe bei dem Konsortium einen Schaden von bis zu 250 Millionen Euro aus der Manager-Haftpflicht gemeldet, berichtete die "Financial Times Deutschland".

Über diese Summe habe Siemens bei dem Konsortium für 2004 bis 2007 eine sogenannte Directors and Officers Liability Insurance (D&O) abgeschlossen. Die Allianz wollte zu dem Bericht keine Stellungnahme abgeben. Ein Siemens-Sprecher bestätigte, dass es eine solche Versicherung gebe, wollte sich aber zu Vertragsdetails nicht äußern.

Bei Siemens seien Zentralvorstand, Aufsichtsrat sowie einzelne Bereichsvorstände versichert gewesen, hieß es. Allein die Allianz stehe in dem Fall mit 70 Millionen Euro im Risiko. Beteiligt seien zudem die Versicherer Zurich, HDI-Gerling und andere. Auch Rückversicherer seien betroffen. Branchenkreisen zufolge sind die Angaben realistisch.

Etwa 90 Prozent der deutschen Großunternehmen hätten solche Versicherungen. Das gesamte Prämienvolumen von D&O-Versicherungen in Deutschland liege bei 300 bis 400 Millionen Euro. Ein möglicher Siemens-Großschaden würde also mehr als die Hälfte der gesamten Jahresprämien kosten.

In der Siemens-Schmiergeldaffäre geht es um 1,3 Milliarden Euro an dubiosen Zahlungen, die vermutlich größtenteils im Ausland zur Erlangung von Aufträgen eingesetzt wurden. Heute will sich der Aufsichtsrat des Konzerns mit den Entwicklungen in dem Korruptionsskandal befassen. Dabei soll es Medienberichten zufolge auch um mögliche Schadenersatzforderungen an frühere Manager gehen. Allianz-Chef Michael Diekmann gehört dem Siemens-Kontrollgremium an. 

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