Siemens-Vorstand spendet Gehaltserhöhung

- München - Nach der Pleite der früheren Handysparte verzichtet der Siemens-Vorstand für ein Jahr auf die heftig umstrittene Gehaltserhöhung. Die fünf Millionen Euro, auf die der Vorstand für ein Jahr verzichtet, fließen in einen Hilfsfonds für BenQ-Mobile-Beschäftigte.

Da der Konzern selbst 30 Millionen Euro dazu gibt, wird der Fonds mit insgesamt rund 35 Millionen Euro ausgestattet. "Der Aufsichtsrat hat die Gehaltsmaßnahmen sachlich und ausführlich begründet. Wir haben aber jetzt eine neue Situation und wir möchten den Menschen ein Zeichen der Solidarität geben", sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld der "Bild"-Zeitung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Entscheidung des Siemens-Vorstandes. Die Kanzlerin sagte der "Bild"-Zeitung: "Ich verstehe den Ärger und die Gefühle der Beschäftigten, die zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze große Opfer gebracht haben. Ich habe gegenüber Siemens deutlich gemacht, dass dieses Traditionsunternehmen in einer besonderen Verantwortung steht." Nach Informationen des Blattes hatte Merkel am Sonntag mit Kleinfeld telefoniert.

Siemens hatte seine Handysparte vor einem Jahr an den taiwanesischen BenQ-Konzern verkauft. In der vergangenen Woche musste BenQ Mobile mit 3000 Beschäftigten in Deutschland Insolvenzantrag stellen. Arbeitnehmervertreter warfen Siemens vor, für die Pleite mitverantwortlich zu sein. Dabei wurde erneut die Gehaltserhöhung scharf kritisiert. Mit dem Aussetzen der Erhöhung will Siemens nun die Wogen glätten.

Mit dem Geld aus dem Fonds sollen nun Härten bei den erwarteten BenQ-Mobile-Entlassungen abgemildert sowie die Qualifizierung, Umschulung oder Weiterbildung Betroffener bezahlt werden. Kleinfeld sagte: "Wir finden die Vorgehensweise von BenQ in Deutschland inakzeptabel und helfen, so gut wir können. Wenn BenQ die Mitarbeiter im Regen stehen lässt, wollen wir aktiv tatkräftig helfen - und zwar schnell." Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser hatte angekündigt, dass entlassene BenQ-Mobile-Beschäftigte bei der Neubesetzung von Stellen im Siemens-Konzern bevorzugt behandelt werden sollen. Sie sollen bei entsprechender Qualifikation wie interne Bewerber behandelt werden.

Energisch widersprach Kleinfeld Spekulationen, nach denen die Einstellung der Handy-Sparte schon beim Verkauf an BenQ beabsichtigt gewesen sei. Kleinfeld sagte der Zeitung: "Alle Behauptungen, wir hätten die Insolvenz von BenQ Mobile in Deutschland billigend in Kauf genommen, sind böswillige Unterstellungen. Das lassen wir uns nicht gefallen. Unser Ziel war immer, für das Siemens- Handy-Geschäft eine solide Zukunft zu schaffen. Dafür haben wir finanzielle Mittel, Patente und sogar unsere Marke Siemens zur Verfügung gestellt."

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