Siemens: Warten auf Kleinfelds große Offenbarung

- München - Die Erwartungen an Siemens-Chef Klaus Kleinfeld sind hoch - nicht was die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr betrifft, die der 48-Jährige heute bekannt gibt, sondern was seine Pläne angeht. Mancher erhofft sich nichts weniger als eine Offenbarung über die Zukunft des Konzerns.

"Diese Woche soll Klarheit bringen", verkündete der "Spiegel". Kleinfeld, der seit Anfang dieses Jahres den Konzern führt, wolle seinen künftigen Kurs erläutern. Demnach habe er einen "Rundum-Dienstleister für Infrastrukturprojekte in aller Welt" im Sinn. Doch damit dürfte Kleinfeld Mitarbeiter und Aktionäre wohl kaum aus dem Sessel reißen.

"Keine atemberaubende Erkenntnis", findet Frank Rothauge, Analyst des Bankhauses Sal. Oppenheim, die Idee des weltweit agierenden Industrie-Dienstleisters. Denn das sei Siemens schon längst. Was er sich wünscht, sind präzise Angaben, wie es in den Problembereichen - der Kommunikationssparte Com und dem IT-Dienstleister SBS - weitergeht: "Wie funktioniert die Restrukturierung? Wie lange dauert sie? Was kostet sie? Und in welchem Zeitraum sind welche Ziele realistisch?" An erschöpfende Antwort wagt er aber selbst nicht zu glauben. Er sei skeptisch, dass es dem Management gelinge, seine Pläne so klar und glaubwürdig darzustellen, dass sie "die Leute überzeugen und den Kurs positiv beeinflussen".

Bei Com und SBS steht der Abbau tausender Stellen aus. Überkapazitäten und der Umstieg auf neue Technologien schlagen sich hier nieder. Nach der Zerschlagung der Logistiksparte L & A gibt es auch noch keine Lösung für den ausgegliederten Geschäftsteil Dematic mit 5000 Arbeitsplätzen weltweit. Kleinfeld will dennoch "optimistisch nach vorn schauen", wie ein Interview mit ihm in der Mitarbeiter-Zeitschrift "Siemens-Welt" überschrieben ist. Sein Ziel, bis Frühjahr 2007 alle Sparten auf Spitzengewinne ausgerichtet zu haben, bekräftigte er. "Damit alle Ampeln auf Grün stehen, müssen wir noch einiges tun - ganz besonders bei Com, SBS und L& A", räumte Kleinfeld ein. Doch zu den Zielvorgaben gebe er nach wie vor "ein klares Ja".

Zuletzt dürften die Problemsparten das Geschäft erneut belastet haben. Von der Agentur DPA-AFX befragte Analysten gehen für das Geschäftsjahr 2004/05 im Durchschnitt von einem leichten Umsatzanstieg auf 76 Milliarden Euro und einem Gewinnrückgang von 3,4 auf 3,2 Milliarden Euro aus.

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