Siemens will "Combino" vor dem Totalschaden retten

- München - Während Siemens-Chef Heinrich von Pierer in Schanghai Milliarden-Investitionen verkündete, brauten sich in der Heimat die schlechten Nachrichten zusammen: Der Münchner Technik-Konzern wird wohl keinen Zugriff auf den Alstom-Konzern erhalten. Das französische Unternehmen soll eigenständig bleiben (siehe Kasten). Und die fehlkonstruierte Alu-Trambahn "Combino" ist angeblich ein Totalschaden. Der Konzern dementiert das und kündigt vage Sanierungs-Maßnahmen an. Kosten und Zeitplan bleiben aber offen.

<P>"Combino" hatte dem Siemens-Konzern schon die Halbjahres-Zahlen vermiest. Die zuvor profitable Transport-Sparte schrieb vor allem wegen der Sonderbelastungen durch die Aluminium-Trambahn Verluste. 364 Millionen Euro Rückstellungen wurden im zweiten Quartal gebildet - der größte Teil davon entfällt auf "Combino". "Ich kann weitere Ergebnisbelastungen für die Zukunft nicht ausschließen", sagte Pierer Ende April. Nun fand die "Rheinische Post" Anzeichen für eben solche Lasten. Alle 400 "Combino"-Straßenbahnen müssten mit Ausnahme des Räderwerks neu gebaut werden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf einen internen Bericht des Siemens-Konzerns. Für die Kosten dieser General-Überholung würden die bisher bereitgestellten Summen bei weitem nicht ausreichen.<BR><BR>Ein Sprecher der Transport-Sparte von Siemens dementierte den Bericht. Es gebe "eine Reihe von Maßnahmen zur Reparatur" der Züge. Welche das sind, verriet er nicht. Es seien "sehr konkrete Maßnahmen, die aber noch mit den Kunden und Gutachtern in Abstimmung sind". Vorher könne man sich über die Reparatur-Vorhaben nicht äußern. "Wir gehen aber davon aus, dass die Wagenkästen saniert werden können." Sie könnten in einen Zustand versetzt werden, der den uneingeschränkten Betrieb über die gesamte geplante Lebensdauer ermöglicht.<BR><BR>In der Aluminium-Tram treten teilweise nach etwa 120 000 Kilometern Laufleistung Risse an Schweißnähten im Wagenkasten auf. Im schlimmsten Fall könnten Teile des Daches auf die Fahrgäste fallen, befürchten Experten. Deshalb werden die Modelle, die von Augsburg bis Melbourne verkauft wurden, von 170 Siemens-Spezialisten mit Röntgengeräten untersucht und vorläufig repariert. Wann die endgültige Sanierung der Züge beginnt, ließ der Sprecher offen. Auch zu den Kosten der Maßnahmen wollte er nichts sagen.<BR><BR>Während der Kurs der Siemens-Aktie nach Bekanntgabe der Halbjahreszahlen wohl auch auf Grund der Combino-Belastungen um vier Prozent abgesackt war, blieben die Anleger diesmal ruhig. Das Siemens-Papier stieg zwischenzeitlich um 1,8 Prozent und damit deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Bei der Fondsgesellschaft Union Investment geht man davon aus, dass die Abschreibungen in Höhe von insgesamt etwa 400 Millionen Euro einem Totalschaden der Bahnen entsprächen. Es sei wesentlich wahrscheinlicher, dass die Gesamtkosten der peinlichen Misere unter der Summe der Abschreibungen blieben, erklärte ein Sprecher.<BR><BR><BR></P>

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