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Die Zentrale der Siemens AG in München: Der Konzern hatte eine Lizenzfertigung für Gasturbinen und Lokomotiven im Iran vereinbart. Foto: Matthias Balk

Schuld sind US-Sanktionen

Siemens will Geschäfte im Iran zurückfahren

Immer mehr Unternehmen schränken ihr Iran-Geschäft ein oder ziehen sich ganz zurück. Schuld sind vor allem die neuen US-Sanktionen, die Teheran hart treffen. Auch Flugreisende bekommen das zu spüren.

München/Teheran (dpa) - Siemens will nach dem Inkrafttreten der neuen US-Sanktionen gegen den Iran seine Geschäfte in dem Land zurückfahren.

Man werde die geeigneten Maßnahmen ergreifen, um die "Geschäftsaktivitäten mit den sich verändernden multilateralen Rahmenbedingungen bezüglich Iran in Einklang zu bringen", erklärte der Dax-Konzern in München. Das Unternehmen werde weiter dafür sorgen, alle Exportbeschränkungen sowie alle Vorschriften "einschließlich US-amerikanischer Sekundärsanktionen" einzuhalten.

Zuvor hatte der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, Schritte des Konzerns angekündigt. "Siemens hat mir mitgeteilt, dass sie sich aus dem Iran zurückziehen, um US-Sanktionen zu erfüllen", schrieb er am Donnerstagabend beim Kurznachrichtendienst Twitter.

US-Präsident Donald Trump hatte einseitig das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt und Anfang August Sanktionen verhängt. Er wirft Teheran vor, Terrorismus zu finanzieren. Die Maßnahmen betreffen zunächst Finanzgeschäfte, vor allem den Dollar-Handel. Eine zweite Welle im Herbst könnte Elektroprodukte in den Fokus nehmen, was Siemens treffen würde. Daher analysiert der Konzern seine Geschäfte.

Finanzvorstand Ralf Thomas hatte im Mai erklärt, dass Siemens "Dinge, die wir begonnen haben, so dies im rechtlichen Rahmen möglich ist, zu Ende bringen". Der Konzern hatte eine Lizenzfertigung für Gasturbinen und Lokomotiven im Iran vereinbart. Auch eine Absichtserklärung zur Modernisierung der Bahn-Infrastruktur wurde unterzeichnet.

Wegen der US-Sanktionen fürchten viele Firmen Strafen, wenn sie Geschäfte mit dem Iran machen. Der Autobauer Daimler hat angekündigt, seine Pläne für das Land auf Eis zu legen. Eine Beratungsgesellschaft der Telekom-Großkundensparte T-Systems beendete ihre Tätigkeit im Iran, auch die Deutsche Bahn lässt Projekte auslaufen. Großbanken schrecken vor Finanzierungen von Iran-Geschäften zurück.

Die Wirtschaftskrise bekommen auch die Iraner selbst immer stärker zu spüren. Die Nachrichtenagentur Isna meldete, die Passagierzahlen an den Flughäfen der Hauptstadt Teheran seien stark rückläufig. Aufgrund des Verfalls der nationalen Währung Rial kosteten nicht nur Auslands-, sondern auch Inlandsflüge inzwischen mehr als das Doppelte wie noch vor zwei Wochen. Eine Flugreise sei derzeit zudem über zehn Mal so teuer wie eine ebenso lange Fahrt mit dem Auto oder Bus.

Als ein Grund für die Entwicklung gilt die jüngste Entscheidung der Regierung, Flugtickets nicht mehr mit dem bisherigen Dollar-Kurs von 42.000, sondern zu 90.000 Rials zu berechnen. Laut Isna hat der plötzliche Preisanstieg dazu geführt, dass die Flughäfen Mehrabad und Imam Khomeini Airport (IKA) immer leerer werden. Bei Inlandflügen in Mehrabad seien fast nur noch Dienstreisende zu sehen. Auch am internationalen IKA-Flughafen gebe es entweder Geschäftsleute oder Iraner, die zu Besuch kommen und Tickets im Ausland gekauft haben.

Die Fluggesellschaften Air France und British Airways wollen ab Mitte September ihre Flüge nach Teheran einstellen. Weitere Airlines könnten folgen - besonders, wenn die zweite Phase der US-Sanktionen im November dieses Jahres in Kraft tritt und die Krise noch akuter werden sollte. Auch viele iranische Reiseanbieter können günstige Touristen-Pakete wegen der neuen Anordnungen nicht mehr anbieten.

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