Der Elektrokonzern will Stellen abbauen.

Siemens will Stellen sozialverträglich abbauen

München - "Sozialverträglicher" Stellenabbau: Siemens einigt sich auf Interessenausgleich mit der vor den Ausgliederung stehenden IT-Sparte SIS.

Der Elektrokonzern Siemens hat sich mit Arbeitnehmervertretern auf einen Interessenausgleich für die vor der Ausgliederung stehende IT-Sparte SIS verständigt. Demnach soll der angekündigte Abbau von rund 2000 Stellen in Deutschland sozialverträglich umgesetzt werden, wie Siemens am Mittwoch in München mitteilte. Das Paket umfasse Angebote für Altersteilzeit, Aufhebungsverträge und Weiterbildungsmaßnahmen sowie eine interne Transfergesellschaft. Betriebsbedingte Kündigungen wolle man vermeiden. Als Restrukturierungskosten sind 450 bis 500 Millionen Euro veranschlagt, die voraussichtlich im vierten Geschäftsquartal verbucht werden. Siemens will die kriselnde IT-Sparte, die auch im dritten Geschäftsquartal rote Zahlen schrieb, zum 1. Oktober verselbständigen. Weltweit stehen gut 4000 Jobs in der Sparte zur Disposition. Gegen die Pläne hatte es in den vergangenen Monaten heftige Proteste gegeben.

Die Eckpunkte für die Einigung, der der Gesamtbetriebsrat noch zustimmen muss, waren bereits in den vergangenen Wochen bekanntgeworden. Die IG Metall sprach von “langen und schwierigen Gesprächen“. Zwar habe man sich auf den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen für Beschäftigte der neuen SIS GmbH für drei Jahre einigen können. Eine entsprechende Zusage für sämtliche Mitarbeiter habe Siemens aber strikt abgelehnt, kritisierte die Gewerkschaft. Damit stünden potenziell die Jobs derjenigen Mitarbeiter zur Disposition, die weder eine freiwillige Maßnahme annehmen noch den Übergang in die neue GmbH akzeptieren wollen. “Es ist zu bedauern, dass Siemens trotz glänzender Geschäftszahlen nicht zu weiteren Zugeständnissen bereit war“, erklärte Sibylle Wankel, Tarifexpertin der IG Metall Bayern. Auch die rund 600 Beschäftigten der Leiterplatten-Sparte Electronic Device Manufacturing (EDM) müssen derweil sich auf eine Neuausrichtung einstellen.

Statt der bisher vorgesehenen Ausgliederung solle das Siemens-interne Geschäft von EDM nun teils auf andere Sparten wie die Industrieautomatisierung aufgeteilt und das externe Geschäft schrittweise zurückgefahren und eingestellt werden, hieß es bei dem Unternehmen. Entsprechende Pläne seien dem Wirtschaftsausschuss ebenfalls am Mittwoch vorgestellt worden. Für die betroffenen Beschäftigten sollten angesichts der anziehenden Auftragslage im Industriesektor andere Tätigkeiten im Konzern gefunden werden, hieß es. “Das bedeutet sicher eine Umstellung für die Mitarbeiter“, räumte ein Unternehmenssprecher ein. Die Umorganisation solle aber keine Arbeitsplätze kosten. Vielmehr gehe man davon aus, betriebsbedingte Kündigungen vermeiden zu können. Im Zuge der EDM-Neuausrichtung war bereits die Schließung des Standortes München vereinbart worden, ursprünglich sollten die Aktivitäten nach der Ausgliederung verkauft werden. Die IG Metall warf Siemens deshalb eine plötzliche Änderung der Planung und “Irreführung“ vor. Nur unter den ursprünglichen Voraussetzungen habe man zuvor die Schließung des Standortes München akzeptiert, hieß es. “Die neuen Pläne müssen nun den zuständigen Arbeitnehmergremien ausführlich vorgestellt und in ihnen erörtert werden, bevor neue Verhandlungen beginnen können.“

dpa

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