Im Siemens-AUB-Prozess fordert Schelskys Verteidigung kurze Haft

Nürnberg - Die Verteidigung des früheren AUB- Bundesvorsitzenden Wilhelm Schelsky hat im Prozess um verdeckte Millionenzahlungen des Elektrokonzerns Siemens eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren gefordert.

Schelsky sei von allen Vorwürfen, die über die private Steuerhinterziehung hinausgehen, freizusprechen, sagte dessen Anwalt Jürgen Lubojanski am Mittwoch vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Für die Untersuchungshaft von 21 Monaten müsse der 60-Jährige entschädigt werden. Im Falle einer längeren Gefängnisstrafe solle der Haftbefehl bis zum Einspruch vor dem Bundesgerichtshof außer Kraft gesetzt werden.

Schelsky hatte bereits zu Beginn des Prozesses Ende September eingeräumt, als Privatperson Steuern hinterzogen zu haben. "In den Kernbereichen jedoch, nämlich dem Vorwurf der Untreue und des Betrugs, kann der Antrag nicht anders lauten als meinen Mandanten freizusprechen", plädierte Lubojanski. Siemens habe für die Zahlungen stets eine Gegenleistung erhalten. Schelsky wiederum habe bei der Verwendung der Gelder freie Hand gehabt und sich deshalb etwa für das Sponsoring von Vereinen nicht rechtfertigen müssen.

Lubojanski gab zu bedenken, dass zu keinem Zeitpunkt Betriebsratswahlen beeinflusst worden seien. "Der Weg mag obskur gewesen sein, aber der Zweck und der Wille waren weder obskur noch zu kritisieren." Zudem habe Schelsky nicht davon ausgehen können, dass es sich bei den Absprachen mit dem Siemens-Zentralvorstand um kriminelle Akte handeln könnte. Die Anklage hatte hingegen sechs Jahre Haft gefordert. Schelsky und der mitangeklagte Ex-Siemens- Zentralvorstand Johannes Feldmayer sollen mit mehr als 30 Millionen Euro die AUB unterstützt haben.

dpa

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