Siemens: Beschuldigte Vorstände nicht verwickelt

- München - Unterdessen wehren sich Finanzvorstand Joe Kaeser und Konzernvorstand Rudi Lamprecht wehren sich gegen Spekulationen über eine Verwicklung in die laufende Schmiergeldaffäre. "Sowohl Joe Kaeser als auch Rudi Lamprecht weisen diese verleumderischen Beschuldigungen mit aller Entschiedenheit zurück", teilte die Siemens AG mit.

Beide seien bislang nicht von der Staatsanwaltschaft kontaktiert worden. Das "Wall Street Journal" hatte unter Berufung auf Anwälte berichtet, zwei Beschuldigte hätten die beiden Vorstände in ihren Aussagen bei der Staatsanwaltschaft schwer belastet. Der Korruptionsskandal wird auch das Hauptthema auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag in München sein.

Zu den Beschuldigten in der Schmiergeldaffäre gehören bereits die früheren Siemens-Vorstände Heinz-Joachim Neubürger und Thomas Ganswindt. Nach Informationen des "Wall Street Journal" sollen zwei Beschuldigte nun unabhängig voneinander unter anderem ausgesagt haben, Kaeser habe in seiner Zeit als Bereichsvorstand in der Mobilfunksparte ICM von dem System schwarzer Kassen gewusst. Siemens erklärte zu diesen Beschuldigungen und zu den Vorwürfen gegen Lamprecht: "Beide Vorstände machen deutlich, dass sie nicht in diesen Fall involviert gewesen seien." Die Staatsanwaltschaft wollte sich nicht äußern.

Die Ermittler gehen laut früheren Angaben davon aus, dass eine Gruppe von teils hochrangigen Siemens-Mitarbeitern rund 200 Millionen Euro unterschlagen und im Ausland als Schmiergeld eingesetzt hat. Siemens geht sogar verdächtigen Zahlungen in Höhe von 420 Millionen nach.

Die Siemens-Hauptversammlung stößt inmitten der Affäre bei den Aktionären auf reges Interesse. Für die Veranstaltung am Donnerstag (25. Januar) lägen rund 30 000 Anmeldungen vor, sagte ein Siemens-Sprecher. Erfahrungsgemäß dürfte knapp die Hälfte davon dann auch an der Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle teilnehmen. Im vergangenen Jahr waren gut 10 000 Anteilseigner gekommen.

In einer Reihe von Gegenanträgen fordern Aktionärsschützer und Kleinaktionäre, die Konzernführung wegen der Affäre nicht zu entlasten oder die Entlastung zumindest bis zur vollständigen Aufklärung der Schmiergeldaffäre zu vertagen. In der Kritik wird Siemens-Chef Klaus Kleinfeld auch wegen der Pleite der früheren Siemens-Handysparte BenQ Mobile stehen. Vor Beginn der Hauptversammlung legt Siemens die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2006/07 (30. September) vor.

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