Der Siemens-Chef denkt nicht ans Aufhören

- München - Siemens-Chef Heinrich von Pierer denkt nicht ans Aufhören. Auch wenn der Konzern nach Einschätzung von Analysten am morgigen Donnerstag trotz starker Umsatzrückgänge ein solides Ergebnis für das abgelaufene Geschäftsjahr bekannt geben wird: Die Neuausrichtung des Konzerns unter dem Motto "Operation 2003" ist noch längst nicht beendet. Daher wird mittlerweile fest damit gerechnet, dass Pierer seinen Vertrag über den Herbst 2004 hinaus verlängern könnte. Die Nachfolge-Debatte läuft aber schon auf Hochtouren.

<P>Vor einigen Monaten hatte Pierer bereits gesagt, dass er den Eindruck habe, er werde zunehmend unersetzlich. "Ich denke, dass er bis zur Hauptversammlung 2006 weiter macht", sagte denn auch ein hochrangiger Siemens-Manager. Dann könnte Pierer pünktlich zu seinem 65. Geburtstag das Ruder an einen jüngeren Nachfolger abgeben. </P><P>In Unternehmenskreisen wird aber nicht damit gerechnet, dass der Aufsichtsrat bereits heute die Vertragsverlängerung beschließt. "Dieser Schritt würde von der Finanzgemeinschaft allerdings begrüßt, da wahrscheinlich nicht alle Ziele der Operation 2003 bis zum Ende des Geschäftsjahres 2004 erreicht werden können", sagt Merck Finck-Analyst Theo Kitz.<BR><BR>Die Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahres können sich nach Einschätzung von Experten aber durchaus sehen lassen. So rechnet HVB-Analyst Roland Pitz damit, dass der Gewinn im Geschäftsjahr 2002/03 um vergleichsweise moderate 6,5 Prozent auf 2,45 Milliarden Euro gefallen ist. Das große Sorgenkind, die Festnetzsparte ICN, hat laut früheren Ankündigungen erstmals wieder knapp die Gewinnzone erreicht. Beim Umsatz erwarten die Analysten im Konzern einen Einbruch um mehr als 10 Prozent auf etwa 75 Milliarden Euro.<BR><BR>In der "Operation 2003" hatte Pierer den Bereichen des Konzerns strenge Rendite-Vorgaben gemacht. Sollte Pierer das Projekt also selbst abschließen wollen, müsste er seinen Vertrag wohl noch einmal verlängern. Dennoch läuft die Nachfolge-Debatte auf Hochtouren. Im Gespräch: Thomas Ganswindt, der harte Sanierer und Chef des angeschlagenen Netzwerkbereichs ICN. </P><P>Als weitere heiße Kandidaten für den Vorsitz werden Konzern-Stratege Johannes Feldmayer und der Amerika-Chef Klaus Kleinfeld gehandelt. Das "Manager Magazin" will aus unternehmensnahen Kreisen erfahren haben, dass Kleinfeld heute zum neuen Zentralvorstand für I & C ernannt werden soll, womit sich zugleich ein Signal für die Nachfolge Pierers ergebe.<BR><BR>Wer auch immer in einem Jahr Chef ist, ob Pierer oder bereits sein Nachfolger: Nach Einschätzung der IG Metall kommen auf die Beschäftigten in jedem Fall raue Zeiten zu. Nach den Ankündigungen eines Arbeitsplatzabbaus von 40 000 Stellen in den vergangenen Jahren gebe es jetzt Spekulationen, dass der Konzern verstärkt Arbeitsplätze ins Ausland verlagern will, sagte Wolfgang Müller, der für die IG Metall im Siemens-Aufsichtsrat sitzt. </P><P>Siemens beschäftigt immer noch etwa 40 Prozent seiner Mitarbeiter in Deutschland, während nur noch gut 20 Prozent der Erlöse hier erzielt werden. </P>

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