Siemens-Chef Kleinfeld gibt sich zwei Jahre Zeit für alle Probleme

- Lissabon - 90 Tage lang war der neue Siemens-Chef Klaus Kleinfeld kaum öffentlich in Erscheinung getreten, nun hat er seine "Regierungserklärung" abgegeben. In spätestens 24 Monaten will er alle derzeitigen Probleme gelöst haben. "Und Sie werden mich selbst daran messen können, inwieweit die Ziele erreicht werden", gelobte Kleinfeld bei der Vorlage der Siemens-Halbjahresbilanz in Lissabon. Als Erstes packt er die kriselnde Kommunikationssparte an. Das erfolglose Handy-Geschäft wird abgespalten.

"Ich stehe persönlich dafür ein, dass alle Unternehmensteile innerhalb der nächsten 18 bis 24 Monate auf Linie sind", beschwor Kleinfeld sein Schicksal. Für seine 13 Sparten hat der Konzern Renditeziele ausgegeben. Fast die Hälfte der Bereiche hat sie zuletzt nicht erreicht. Und am schlechtesten stehen das Dienstleistungsgeschäft der Siemens Business Services (SBS) sowie die Kommunikationssparte Com da. Deshalb wird dort nun massiv eingegriffen.<BR><BR>Die Probleme mit den Mobiltelefonen von Siemens haben sich verschärft. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres verursachten die Handys einen Verlust in Höhe von 138 Millionen Euro und zogen so die ganze Kommunikationssparte in die roten Zahlen. Ein Jahr zuvor hatte Com noch einen operativen Gewinn von fast 150 Millionen Euro ausgewiesen. Zudem laufen Siemens die Kunden weg. 9,3 Millionen Handys wurden im zweiten Quartal verkauft - etwa ein Viertel weniger als im Jahr zuvor. Damit rutschte Siemens auf Platz sechs der größten Handy-Hersteller der Welt ab. Branchenprimus Nokia verkaufte zuletzt fast 54 Millionen Mobiltelefone. <BR><BR>"Insgesamt sehen wir noch hohen Handlungsbedarf bei Com. Deshalb arbeiten wir mit Nachdruck an einer strategischen Neuorientierung des Bereichs", erklärte Kleinfeld. Das Geschäft mit Handys und schnurlosen Telefonen, in dem etwa 10 000 Mitarbeiter einen Umsatz von 5,5 Milliarden Euro generieren, wird in den nächsten Monaten ausgegründet und zu einem rechtlich selbstständigen Unternehmen. "In Kürze" will man dafür einen oder mehrere Partner präsentieren, mit denen es weitergeführt wird. In jedem Fall soll die Marke Siemens erhalten bleiben, betonte Kleinfeld. "Wenn Sie ein Siemens-Handy kaufen, können Sie sicher sein, auch in Zukunft einen Ansprechpartner und Service zu haben." Zudem sei die Marke Siemens bei Mobiltelefonen "extrem wertvoll". Bei der Wahl eines Partners stünden neben der ökonomischen Seite "auch die Perspektiven der Mitarbeiter im Vordergrund".<BR><BR>Wie diese in der Dienstleistungssparte SBS aussehen, ist offen. "Trotz verbesserter Auftragslage durch zahlreiche Großprojekte ist die Verschlechterung des operativen Ergebnisses nicht akzeptabel", stellte der Siemens-Chef fest. Die Sparte verursachte im zweiten Quartal einen Verlust von knapp 130 Millionen Euro. Es würden strategische Optionen geprüft.<BR><BR>Kleinfeld gab seinem Programm den Namen "Fit 4 More". Dieses Mehr sieht er auch im Umsatz. Der Konzern solle mittelfristig doppelt so schnell wachsen wie die Weltwirtschaft, der die Weltbank für heuer immerhin eine Rate von 3,1 Prozent zutraut. Dafür stellte Kleinfeld auch weitere Übernahmen in Aussicht. Was den Gewinn angeht, zeigte sich Kleinfeld jedoch auffallend zurückhaltend. "Für das Gesamtjahr 2005 hatten wir uns - unter bestimmten Voraussetzungen - noch einmal einen leichten Ergebnisanstieg zugetraut. Das ist heute schwer einzuschätzen", sagte er. Und das wertete mancher als versteckte Gewinnwarnung. Die Siemens-Aktie rutschte gestern um gut zwei Prozent unter 57 Euro - auf ein Jahrestief.

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