Siemens-Flop zeigt unsicheres Investitionsklima in Russland

- Moskau/München - Der Freundschaftsjubel zwischen Gerhard Schröder und Wladimir Putin bei der Industriemesse in Hannover war kaum verklungen, da kam die schlechte Nachricht aus Moskau. Die russische Regierung untersagte eines der ehrgeizigsten Projekte der deutschen Industrie in Russland: Den 320 Millionen Euro teuren Einstieg von Siemens bei dem Kraftwerksausstatter Silowyje Maschiny (Power Machines).

<P>Kapital flüchtet aus dem Land<BR><BR>Zwar boomt die Wirtschaft in Russland, Putin verspricht Stabilität und Wachstum, doch das Klima für Direktinvestitionen bleibt äußerst wetterwendisch.<BR><BR>Auf der einen Seite erlaubte beispielsweise Russlands staatlich kontrollierter Gasriese Gasprom der deutschen BASF-Tochter Wintershall erstmals den Einstieg ins Gasgeschäft von der Förderung bis zum Verkauf. Auf der anderen Seite hat die Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos Vertrauen zerstört - auch ranghohe Beamte im Kreml sprechen von einem "immensen Schaden" für die Volkswirtschaft. In der Folge kamen 2004 nur 5,3 Milliarden Euro ausländischer Investitionen nach Russland. Sieben Milliarden Euro Kapital flüchteten aus dem Land.<BR><BR>"Das Navigieren in Russland wird für russische und ausländische Investoren immer schwieriger", klagte der Chef der Ölfirma TNK-BP, Robert Dudley, auf dem Russian Economic Forum in London. Das russisch-britische Gemeinschaftsunternehmen erhielt dieser Tage für 2001 eine Steuernachforderung von fast einer Milliarde US-Dollar. Amerikanische Energiekonzerne halten sich mit Russland-Projekten zurück, weil Moskau Lizenzen zur Erschließung neuer Öl- und Gasfelder nur noch an russisch kontrollierte Firmen vergeben will.<BR><BR>"Der Staat baut konsequent seinen Einfluss über die entscheidenden Wirtschaftszweige wieder aus", beschreibt Dudley eine der Regeln, deren Nichtbeachtung Auslandsinvestitionen zum Scheitern bringen können. Eine zweite Regel sind die von den vielen Geheimdienstlern um Putin weitläufig ausgelegten Sicherheitsinteressen. Sie fürchteten bei dem Siemens-Einstieg um die Geheimhaltung der Rüstungsproduktion von Silowyje Maschiny.<BR><BR>Der Elektrokonzern, nun schon seit 152 Jahren auf dem russischen Markt, gibt das Geschäftsfeld trotzdem keinesfalls verloren. "Wir werden weiterhin im russischen Kraftwerksmarkt tätig bleiben", sagt ein Sprecher, lässt aber offen, in welcher Form das geschehen wird. Ähnlich wie die USA, Indien oder China bleibe Russland auch nach der Ablehnung einer der aussichtsreichsten Wachstumsmärkte für Siemens.<BR><BR>Branchenexperten zeigten sich unterdessen wenig überrascht von der Ablehnung aus Moskau. Einflussreiche Kräfte hätten gegen den Siemens-Einstieg gestanden, sagt Analyst Theo Kitz vom Münchner Bankhaus Merck Finck. Dass der Konzern nach dem monatelangen Ringen nun gescheitert ist, hält er nicht für allzu gravierend: "Es ist schade, aber kein Beinbruch." Siemens könne den russischen Kraftwerksmarkt auch von außen bedienen und habe sich mit der Übernahme der österreichischen VA Tech dafür einen geeigneten Brückenkopf geschaffen.<BR><BR>Ein ordentliches Trostpflaster hatte Siemens ohnehin schon in Hannover erhalten: Die russische Eisenbahn bestellte für 1,5 Milliarden Euro Hochgeschwindigkeitszüge in Deutschland.</P>

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