Siemens-Handys: IG Metall sieht klare Perspektive

- München - Für die Handy-Sparte von Siemens gibt es wieder Hoffnung. "Nach jahrelanger Krise sehen wir jetzt eine klare Perspektive", erklärte Wolfgang Müller von der IG Metall. Der taiwanische BenQ-Konzern, der das Geschäft zum 1. Oktober übernimmt, will insgesamt 170 neue Arbeitsplätze schaffen - 100 davon in München. Allerdings muss sich noch zeigen, ob sich das zuletzt hochdefizitäre Geschäft nachhaltig erholt. Und der Wechsel zu BenQ fordert auch Opfer.

Der Standort München mit derzeit etwa 1400 Mitarbeitern werde ebenso wie Kamp-Lintfort (Nordrhein-Westfalen) mit 2000 Beschäftigten im BenQ-Konzern gestärkt, sagte Müller. Beide würden zu so genannten Produkthäusern, in denen jeweils die Entwicklung bestimmter Modelle konzentriert wird. Bislang werde beispielsweise die Tastatur eines Handys in München entwickelt, dann in Kamp-Lintfort ein Modell gebaut, das wiederum in München getestet wird. Künftig soll jedes Produkt nahezu komplett an einem Ort entwickelt werden. Das spart Zeit und Geld. Und es sichert die beiden Standorte.

In München, wo auch die Zentrale des künftigen BenQ-Handy-Geschäfts angesiedelt ist, will das Unternehmen 100 neue Entwickler-Stellen schaffen, in Kamp-Lintfort 70. Auf der Strecke bleibt allerdings Ulm. Dort arbeiten bislang etwa 130 Menschen, deren Arbeitsplätze ab kommendem Jahr gefährdet sind, wie Müller sagte.

BenQ wird nach Gewerkschaftsangaben in die Arbeitgeberverbände eintreten und sich damit dem Flächentarifvertrag unterwerfen. Auch der Ergänzungstarifvertrag für das Werk im niederrheinischen Kamp-Lintfort gilt weiter. Hier haben sich die Beschäftigten zugunsten einer Arbeitsplatzgarantie bis Mitte 2006 auf Mehrarbeit und Gehaltseinbußen eingelassen. Ein zuvor schon von Siemens beschlossener Stellenabbau in Höhe von 340 Jobs wird allerdings noch durchgezogen. Derzeit werden Handys und Gebrauchsanleitungen per Hand in jeden einzelnen Karton gesteckt. Diese Arbeiten werden nun automatisiert, die entsprechenden Stellen fallen weg.

"Eine Standortgarantie im juristischen Sinn haben wir nicht erreicht", räumte Müller ein. Aber man gehe davon aus, "dass wir mit BenQ eine gute Grundlage für die Zukunft geschaffen haben." Die Auftragseingänge sollen sich zuletzt verdoppelt haben. Das Weihnachtsgeschäft sorge für starke Auslastung. "Wir bewerten das als guten Start mit BenQ." Anfang nächsten Jahres muss sich dann zeigen, ob es dauerhaft mit dem Geschäft aufwärts geht, glaubt Müller. "Wenn es überhaupt nicht zum Fliegen kommt, haben wir Probleme."

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