Siemens-Handys: Spekulationen um die Pläne von BenQ

- München - Ein Interview von BenQ-Chef Lee Kuen-Yao hat Spekulationen um die Pläne des Konzerns für die Siemens-Handysparte ausgelöst. Das taiwanesische Unternehmen, das das Mobiltelefon-Geschäft mit weltweit 6000 Mitarbeitern von Siemens übernimmt, könnte demnach die deutsche Marke noch heuer von den Handys verbannen. Der Konzern dementierte dies nun. Doch eine massive Produktions-Verlagerung von Deutschland nach China steht noch im Raum.

<P>Siemens und BenQ hätten insgesamt etwa 45 neue Handy-Modelle geplant. Da das Mobiltelefongeschäft des deutschen Konzerns in dem taiwanesischen aufgeht, werde die Produktpalette nun aber zusammengekürzt, kündigte Lee Kuen-Yao laut Nachrichtenagentur dpa gegenüber der taiwanesischen Zeitung "Business Today" an. BenQ wolle 35 oder sogar deutlich weniger Modelle auf den Markt bringen. Und auf denen könnte künftig die Marke Siemens gar nicht oder nicht mehr allein stehen, wurde spekuliert. Wenn das Handy-Geschäft von Siemens auf BenQ übergeht, beinhaltet das auch die Nutzung der deutschen Marke für 18 Monate ab dem 1. Oktober 2005. Und diese Möglichkeit werde man wahrnehmen, teilte BenQ mit. "Während dieses Zeitraums werden drei Handy-Marken nebeneinander existieren: BenQ, Siemens und BenQ/Siemens", heißt es in einer Stellungnahme aus Taiwan. Doch in welchem Umfang die Marken jeweils eingesetzt werden, ist offen.<BR><BR>Nach Einschätzung von Roland Pitz, Analyst der HypoVereinsbank, könnte eine Konzentration allein auf die Marke BenQ Sinn ergeben. "So hätte man am Anfang einen Vertrauensvorschuss, weil die Kunden wissen, dass hinter dem Namen BenQ Siemens-Handys stecken. Wenn es sich später um reine BenQ-Produkte handelt, sind die Kunden an das Unternehmen gewöhnt." Zudem sei es teuer, mehrere Marken parallel zu unterhalten. Neben der Frage nach der Durchsetzungskraft der Marke Siemens, stellt sich die nach der Perspektive der Mitarbeiter.<BR><BR>Laut "Business Today" sagte Lee Kuen-Yao: "Die Produktionskosten sind in Deutschland hoch, deshalb werden wir einen Teil nach Asien verlegen." Die Produktion in Deutschland solle künftig von 40 Prozent auf 20 Prozent reduziert werden. BenQ selbst fertigt bislang nicht in Deutschland. Ist die Aussage des BenQ-Chefs richtig wiedergegeben worden, hieße dies also, dass das von Siemens stammende Geschäft um die Hälfte gekappt werden würde. BenQ betonte in seiner Stellungnahme, dass alle arbeitsrechtlichen Vereinbarungen eingehalten würden. Doch was nach Ablauf dieser Vereinbarungen im kommenden Sommer passiert, dazu heißt es: kein Kommentar.<BR><BR>Betroffen sind in erster Linie die 2000 Beschäftigten im Handy-Werk Kamp-Lintfort (Nordrhein-Westfalen). Die etwa 1500 Mitarbeiter in München sind vor allem in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Entwicklung tätig, an denen BenQ nach Einschätzung von Branchenkennern interessiert ist. Hier gilt der Druck in Richtung Stellenabbau im Vergleich mit der Fertigung als geringer.<BR></P>

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