Siemens-Hauptversammlung: "Kein wirklich fittes Unternehmen"

- München - Die Geburtstagsparty in der Siemens-Familie ist eher nüchtern ausgefallen. Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer durfte oder musste am Donnerstag gemeinsam mit 10.000 Aktionären bei der Hauptversammlung seinen 65. Geburtstag feiern. "Genießen Sie die Atmosphäre, so eine Geburtstagsparty hat man selten", rief der Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld seinem Vorgänger zu.

Zwar gratulierten vor Beginn der Veranstaltung reihenweise Vorstandsmitglieder, Aktionärsvertreter und Aufsichtsräte dem Oberkontrolleur. Doch Geschenke wurden bei der Hauptversammlung dann nicht verteilt. Stattdessen übten Aktionärs- und Mitarbeitervertreter teils harte Kritik am Kurs des Konzerns.

Durchwachsene Geschäftszahlen

Auch Kleinfeld hatte an diesem Tag zu feiern. Zwar nicht unbedingt die Quartalszahlen, die gemischt ausfielen. Einem Gewinneinbruch standen stolze Zuwächse bei Umsatz und Auftragseingang gegenüber. Doch auch Kleinfeld beging einen Jahrestag. "Für mich als Vorstandsvorsitzender ist der heutige Tag ja auch so etwas wie ein Geburtstag", sagte er. Schließlich habe er nach der Hauptversammlung im Vorjahr den Vorstandsvorsitz übernommen.

Seither hat Kleinfeld gründlich aufgeräumt. Der neue Mann an der Spitze setzte die Trennung vom Handygeschäft durch, spaltete den IT-Dienstleister SBS auf und löste die Logistiksparte L&A gleich ganz auf. Da einen Teil der Probleme Pierer hinterlassen hatte, spekulierte die "Süddeutsche Zeitung" über Risse im Verhältnis zwischen Pierer und Kleinfeld. Die beiden dementierten energisch.

"Wir ziehen an einem Strang", sagte Kleinfeld. Auch Pierer betonte, in der Strategie sei man sich absolut einig. Er selbst habe zum Beispiel die Trennung vom Handygeschäft eingeleitet. Die Grundsatzentscheidung dafür sei bereits im Herbst 2004 gefallen, also noch in seiner Amtszeit.

Die kostspielige Trennung von der Handysparte, die Kleinfeld dann vollzog, war einer der Kritikpunkte bei den Aktionären. Zwar gab es durchaus auch Verständnis für die Entscheidung. Ein schmerzlicher Schritt sei manchmal notwendig, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Aber haben Sie mit dieser Entscheidung nicht zu lange gezögert?"

Immer wieder neue Probleme

Henning Gebhardt von der Fondsgesellschaft DWS bemängelte, dass immer wieder neue Problembereiche bei Siemens auftauchten. "Man kann nicht wirklich von einem fitten Unternehmen sprechen." Er brachte eine Zerschlagung des Konzerns ins Gespräch. Bayer und HypoVereinsbank hätten es vorgemacht: "Die Aktionäre und die Unternehmen standen nach der Abspaltung einzelner Teilbereiche besser da als vorher."

Kleinfeld machte aber nach den harten Schritten der vergangenen Monate lieber keine radikalen Ankündigungen. Vielmehr betonte er, Siemens sei zwar weltweit zu Hause. "Wir haben aber auch das Gefühl, im besten Sinne einem Familienunternehmen anzugehören."

Auch wenn sich die Veranstaltung hinzog und viele kritische Stimmen laut wurden, sah Pierer auch die Vorteile eines Geburtstags auf der Hauptversammlung dieses Familienunternehmens. Nur selten habe man die Chance, 850 000 Menschen - nämlich alle Siemens-Aktionäre zu seiner Geburtstagsfeier einzuladen. Ein weiterer Vorteil sei, dass der Konzern die Kosten für die Bewirtung übernehme.

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