Siemens-Sanierung: Hiobsbotschaft zwei Tage nach der Wahl?

- München - Der Siemens-Konzern will womöglich mehrere tausend Stellen seiner verlustreichen Industrielogistik-Sparte ausgliedern. Siemens-Sprecher Eberhard Posner bestätigte am Samstag auf Anfrage entsprechende Überlegungen. Konkrete Schritte würden vermutlich aber frühestens nach dem 20. September bekannt gegeben und damit zwei Tage nach der Bundestagswahl. Im Wahlkampf von Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel tritt der ehemalige Konzernchef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer als Wirtschaftsexperte auf.

Ein absichtliches Abwarten, um Auswirkungen auf die Wahl zu vermeiden, wies Posner ausdrücklich zurück. Vielmehr seien erst dann die Untersuchungen über die drei Geschäftsbereiche abgeschlossen, die im letzten Quartalsbericht Verluste ausgewiesen hatten. Zugleich betonte er, dass eine Ausgliederung nicht bedeute, dass die Stellen wegfallen, sondern, dass sie in einem eigenständigen Betrieb weitergeführt würden. Wie viele Stellen möglicherweise umstrukturiert werden sollten, wollte er nicht sagen.

Der "Spiegel" berichtet, Siemens-Chef Klaus Kleinfeld wolle unmittelbar nach der Bundestagswahl ein groß angelegtes Sanierungsprogramm für drei wichtige Problemsparten des Konzerns verkünden, dem mehrere tausend Stellen zum Opfer fallen könnten. Das Blatt berief sich auf Arbeitnehmervertreter, die dies im Anschluss an eine außerordentliche Sitzung des Wirtschaftsausschusses berichtet hätten.

Danach soll das Geschäft mit Automatisierungsanlagen etwa für Getränkehersteller zunächst ausgegliedert und danach in Partnerschaften eingebracht oder verkauft werden. Ähnliche Pläne verfolge Kleinfeld offenbar auch mit der Servicetochter SBS. Alles in allem, fürchteten Betriebsräte und Gewerkschafter, könnten bei Siemens bis zu 10 000 Jobs wegfallen, davon allein 3000 in der Telefonsparte, die vom Management in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt worden sei und im letzten Quartal 70 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet habe.

Ein Siemens-Sprecher bezeichnete die Zahlen als "viel zu hoch gegriffen". Siemens-Vorstandschef Kleinfeld bekannte sich in der FAZ zum Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland. "Wir beschäftigen in Deutschland 164 000 Mitarbeiter und diese Zahl ist im vergangenen Jahr stabil geblieben." Auch habe Siemens nicht vor, Zentralen von Geschäftsbereichen ins Ausland umzusiedeln.

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