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Preissturz: Silber hat seit seinem Hoch vom August 14 Prozent eingebüßt. Gestern ttag lag der Preis je Feinunze bei 22,08 Dollar. Eine Feinunze entspricht 31,10 Gramm; damit kostete ein Barren (1 Kilo) etwa 710 Dollar – rund 519 Euro.

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Silber neigt zum Wankelmut

München - Am 1. Januar 2014 steigt die Mehrwertsteuer für Silbermünzen von sieben auf 19 Prozent. Und Silber gilt vielen Anlegern als sicherer Hafen. Doch das ist alles kein Grund für einen eiligen Kauf.1

Silber ist eher etwas für Profis: Sein Kurs schwankt viel stärker als der Goldpreis.

Am 1. Januar 2014 steigt die Mehrwertsteuer für Silbermünzen von sieben auf 19 Prozent. Und Silber gilt vielen Anlegern als sicherer Hafen. Doch das ist alles kein Grund für einen eiligen Kauf. Silber ist eher etwas für Profis: Sein Kurs schwankt viel stärker als der Goldpreis.

Es war Donnerstag, der 27. März 1980, als eine der größten Spekulationsblasen des vergangenen Jahrhunderts platzte. Seit 1973 hatten der Texaner Nelson Bunker Hunt und sein Bruder William Herbert gemeinsam mit vermögenden Geschäftsleuten an den internationalen Warenterminbösen riesige Bestände an Silber zusammengekauft. Innerhalb von sieben Jahren war der Preis für eine Feinunze von 2 auf rund 50 US-Dollar geklettert, bevor die New Yorker Warenterminböse COMEX im Januar 1980 weitere Silberkäufe auf Termin verbot. Zugleich mussten Spekulanten bei ihren Brokern die Einschüsse – den Eigenkapital-Puffer für den Verlustfall also – deutlich erhöhen. Die Hunts, die mittlerweile einen Silberberg im Wert von gut zehn Milliarden Dollar kontrollierten, konnten ihre Einschüsse nur verstärken, indem sie sofort massenhaft Silber auf den Markt warfen. Innerhalb weniger Tage stürzte der Kurs auf 20 Dollar ab. Am 27. März halbierte er sich noch einmal. Die 50-Dollar-Marke hat Silber bisher nie wieder erreicht.

Kurs nicht an Inflation gekoppelt

Aufstieg und Fall des Hunt-Syndikats belegen es: Silber ist keine beständige Wertanlage und alles andere als ein sicherer Hafen. Dennoch setzen Anleger in Zeiten einer extrem lockeren Geldpolitik der Notenbanken auf Silber als Inflationsschutz. „Langfrist-Charts zeigen allerdings, dass in den vergangenen Jahrzehnten kein signifikanter Zusammenhang zwischen Inflationsentwicklung und Silberpreis bestand“, erklärt der Münchner Vermögensverwalter German Reng. Außerdem kann von der oft befürchteten Hyperinflation derzeit keine Rede sein: Das Statistische Bundesamt weist für September 2013 einen Anstieg der Verbraucherpreise um etwa 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Die Erzeugerpreise sind im selben Zeitraum um circa 0,5 Prozent gestiegen.

Aber: „Würde zum Beispiel der US-Dollar extrem aufweichen, also erheblich an Wert verlieren, und den Euro in Mitleidenschaft ziehen, hätten Gold und Silber schon eine wertsichernde Wirkung“, sagt Reng. Wer für diesen Fall vorsorgen möchte, könne etwa zehn Prozent seines Depots in Gold oder Silber investieren. Das beruhige auch die Nerven.

„Bei Silber sollte der Grundstock aus physischen Investments bestehen“; erklärt der auf das Edelmetall spezialisierte Finanzexperte Thorsten Schulte. Beim Erwerb von Silbermünzen gilt in Deutschland bis zum Jahresende noch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Am 1. Januar 2014 steigt er auf 19 Prozent (siehe Kasten).

Kauf lohnt jetzt aus steuerlicher Sicht

„Ein Kauf kann sich aus steuerlicher Sicht daher jetzt lohnen“, sagt Schulte. Zudem hat Silber seit seinem Hoch vom August 14 Prozent eingebüßt. Gestern Mittag lag der Kurs bei 22,08 Dollar. Die Analysten der Commerzbank erwarten bis Jahresende einen durchschnittlichen Kurs von 21 Dollar, danach einen Aufwärtstrend.

Doch bevor Privatanleger nun beginnen, aus Gründen der Steuerersparnis Silber-Münzen anzuhäufen oder sich aus Angst vor weichem Papiergeld in harte Indexfonds (ETF) zu flüchten, die den Silberpreis abbilden, sollten sie einige Eigenheiten des Edelmetalls bedenken.

„Der Silberkurs ist zwar nicht an die Inflationsentwicklung gekoppelt“, sagt Reng, „sehr wohl aber an Inflationserwartungen.“ Die jüngste Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) habe es wieder einmal gezeigt: Da Investoren weltweit erwarteten, die Fed würde ihre Ankäufe von US-Staatsanleihen reduzieren und damit die Geldpolitik anziehen, nahmen Inflationsängste ab. Silberbestände wurden verkauft und der Kurs sank auf 21,23 Dollar. Nachdem bekannt wurde, dass die Notenbanker an ihren Ankäufen vorerst festhalten, kletterte der Preis auf 23,22 Dollar. „Wer um diese Abhängigkeit weiß, kann solche Schwankungen entspannt aussitzen“, sagt Reng.

Nicht so schnell überstanden sind hingegen wirtschaftliche Einbrüche, die den Silberpreis immer nach unten reißen. Der Grund: „Silber ist viel stärker als Gold ein Industriemetall“, sagt Experte Schulte. Die Zahlen des Silver Institutes, eines internationalen Zusammenschlusses Silber fördernder und verarbeitender Branchen, belegen es: 50 Prozent des weltweiten Bedarfs an Silber kommen aus der Industrie.

Silberpreis schwankt stärker als Goldpreis

„Wirtschaftskrisen wie die der Jahre 2008/2009 lassen den Kurs daher extrem abstürzen“, mahnt Reng. Kurz nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers im Herbst 2008 fiel Silber um 52,6 Prozent von knapp über 19 auf etwa 9 Dollar. Gold sackte lediglich um 21,1 Prozent ab. „Der Hauptgrund dafür, dass der Silberkurs viel stärker schwankt als der Goldpreis, ist aber der deutlich kleinere, weniger flüssige Silbermarkt“, erklärt Schulte.

Außerdem: Genau wie Gold ist Silber in US-Dollar notiert. Das bedeutet für deutsche Anleger Währungschancen und -risiken. Finanzexperte Reng erklärt es an einem Beispiel: „Von Ende 2005 bis Ende 2007 kletterte Silber um 67 Prozent von 8,82 auf 14,75 Dollar.“ Da der Dollar gegenüber dem Euro jedoch nachgab, hätte ein deutscher Anleger, der seine Rendite in Euro berechnet, nur ein Plus von 35 Prozent gemacht – von 7,44 auf 10,01 Euro.

„Das kann natürlich auch mal in die andere Richtung gehen, es sind mehrere Szenarien möglich“, sagt Reng. Davon, nur aus steuerlichen Gründen bis zum Jahresende schnell noch Silber zu kaufen, hält er allerdings gar nichts. „Eine Steuererhöhung um 12 Prozentpunkte ist doch bei Silber nichts“, sagt der Experte. In der Tat: 12 Prozentpunkte können locker eine Wochenschwankung sein – und das ganz ohne jede Spekulationsblase.

Andrea Martens

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