Silberstreif für deutsche Wirtschaft

- München - Die deutsche Wirtschaft macht sich nach der langen Flaute wieder Hoffnungen auf ein Anspringen der Binnenkonjunktur und blickt zuversichtlicher in die Zukunft. Der ifo-Geschäftsklimaindex verbesserte sich im Juli überraschend deutlich von 93,3 auf 95,0 Punkte, teilte das ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Dienstag in München mit.

Nach einer zuvor monatelangen Talfahrt war dies der zweite Anstieg des Konjunkturbarometers in Folge. "Ein erster Silberstreif am Konjunkturhorizont ist zu sehen", erklärte ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Viele Experten hatten einen schwächeren Anstieg des ifo-Index prognostiziert.Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sieht die guten Konjunkturaussichten für Deutschland bestätigt. "Wir befinden uns jetzt fest auf Wachstumskurs und es wird weiter aufwärts gehen", erklärte der Minister in Berlin. Allerdings gefährde die von der Union geplante Mehrwertsteuererhöhung den "Erfolgskurs der deutschen Wirtschaft". Dagegen erklärte die wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dagmar Wöhrl, der vorsichtige Optimismus der deutschen Unternehmen sei ein deutliches Indiz für die Erwartungen, die mit der Bundestagswahl im Herbst verbunden würden.Der ifo-Index basiert auf einer monatlichen Umfrage unter rund 7000 Unternehmen und gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Getragen wurde der Stimmungsaufschwung im Juli vor allem von spürbar besseren Geschäftserwartungen für die kommenden Monate. Der entsprechende Erwartungsindex kletterte von 92,9 auf 95,0 Punkte, der Lage-Index legte von 93,7 auf 94,9 Punkte zu. An den Börsen stabilisierte das Konjunkturbarometer den Deutschen Aktienindex, für einen durchgreifenden Aufwärtstrend reichte es aber nicht. Am Nachmittag notierte der DAX zeitweise um gut 0,1 Prozent im Plus bei 4849 Punkten.Besonders zuversichtlich für die kommenden Monate zeigten sich die Industrie und der Großhandel. Vor allem im Investitionsgüterbereich hätten sich die Aussichten verbessert, und dies, obwohl die bereits seit längerem guten Exporterwartungen nur vergleichsweise geringfügig angestiegen seien, sagte ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb der dpa. "Es gibt erste Anzeichen, dass die Inlandskonjunktur anspringt." Auch im krisengeschüttelten Baugewerbe habe sich das unterkühlte Klima leicht erwärmt. Es sei aber noch zu früh, einen stabilen Aufschwung auszurufen. "Unsere Faustregel ist, dass der Index drei Mal ansteigen muss, bevor wir sagen: Der Aufwärtstrend ist gefestigt."Allein der Einzelhandel zeigte sich im Juli für die kommenden Monate skeptischer. Möglicherweise sei dafür die Diskussion um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer verantwortlich, vermutete das Institut. Im Vergleich der alten und neuen Bundesländer hellte sich die Stimmung in Ostdeutschland weniger deutlich auf.Nach Einschätzung Nerbs haben die Aussichten auf Bundestagsneuwahlen die Umfrageergebnisse nicht wesentlich beeinflusst. Bereits 1982 habe man erlebt, dass sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft vor einer entsprechenden Entscheidung nur wenig bewegt habe. "Erst als die Entscheidung da war, haben wir einen Schub gesehen." Im Hinblick auf die hohen Ölpreise sei mittlerweile offenbar ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten, auch wenn die Preise noch immer höher lägen, als von den Unternehmen kalkuliert. Für den Arbeitsmarkt erwartet Nerb erst mittelfristig positive Auswirkungen, wenn sich der Aufwärtstrend fortsetzen sollte.

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