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Silvester steht vor der Tür, doch wer haftet, wenn die Rakete auf dem Balkon des Nachbarn oder der Böller auf einem fremden Autodach landet?

Silvesterraketen: Wer für den Schaden haftet

München - Silvester steht vor der Tür, doch wer haftet, wenn die Rakete auf dem Balkon des Nachbarn oder der Böller auf einem fremden Autodach landet? Ein Überblick über die wichtigsten juristischen Fragen.

Feuerwerk sicher aufbewahren

Nicht nur beim Kauf und Gebrauch von Feuerwerkskörpern sollte die Sicherheit an erster Stelle stehen – auch bei der Aufbewahrung. Silvester-Böller müssen so verwahrt werden, dass Kinder sie nicht erreichen können. Andernfalls haften Eltern für die Folgen. So wurde eine Mutter zu Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Euro verurteilt, weil sie ihrer Aufsichtspflicht nur unzureichend nachgekommen sei, so die Richter. Die Frau hatte die Knaller zwar in der Wohnung versteckt, ihr 13-jähriger Sohn fand sie dennoch. Der Bub zündete die Böller und warf sie einem elfjährigen Mädchen hinterher. Dieses erlitt ein Knalltrauma und einen vorübergehenden Gehörschaden. Die Frau hätte ihren Sohn deutlich darauf hinweisen müssen, dass die Knallerei für ihn verboten ist. Notfalls hätte sie die Feuerwerkskörper wieder aus der Wohnung entfernen müssen (LG München, Az.: 31S23681/00).

Brände durch fehlgeleitete Raketen

Silvester-Raketen sollten nur senkrecht in den Himmel geschossen werden. Kommt dennoch eine von ihrem Kurs ab, kann man unter Umständen für die Schäden haftbar gemacht werden. In einem konkreten Fall wurde durch eine Rakete eine benachbarte Scheune in Brand gesetzt und erheblicher Schaden verursacht. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass wenn man mit gezündeten Feuerwerkskörpern auf dem Nachbargrundstück Schäden anrichtet, bei fahrlässigem Verhalten haftet (BGH, Az.: VZR 75/08).

Wer mit Böllern und Raketen das neue Jahr begrüßt, sollte daher auf jeden Fall eine Privathaftpflichtversicherung haben. Sie springt ein, wenn bei der Böllerei Schäden entstehen.

Grundsätzlich dürfen Böller und Raketen nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft nur am Silvestertag ab 18 Uhr und Neujahr bis 7 Uhr abgefeuert werden. Verboten sei das Knallen in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern sowie Kinder- und Altenheimen.

Bränden vorbeugen

Um die Brandgefahr durch fehlgeleitete Feuerwerkskörper gering zu halten, raten Versicherungen dazu, Fenster und Türen in der Silvesternacht geschlossen zu halten. Garten- und Balkonbesitzer verstauen trockene Pflanzenreste, gestapeltes Feuerholz oder Gartenmöbel am besten im Keller, da sie leicht in Brand geraten können. Zudem sollten Mülltonnen gesichert und Briefkästen nach Möglichkeit versiegelt werden. Kommt es dennoch zu einem Schaden, haftet zunächst der Verursacher. Ist dieser nicht greifbar, kommt die Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung für die Beschädigungen auf.

Zuhause feiern ohne Pannen

Damit die fröhliche Silvesterparty nicht schon vor Mitternacht ein jähes Ende nimmt, sollten auch bei Tisch Vorkehrungen getroffen werden. Wer nicht auf das traditionelle Fondue verzichten möchte, sollte dies nicht mit Spiritus oder Benzin anheizen. Dabei kann schnell eine Stichflamme entstehen, die auch das heiße Fett im Topf in Brand setzen kann. Experten raten zu speziellen Brennpasten, deren Flammen nicht so heiß werden und die leichter zu kontrollieren sind. Ratsam ist zudem, feuerfeste Unterlagen zu verwenden.

Die Versicherung zahlt nicht

Der Christbaum und die Silvester-Deko bringen einiges an Gefahren: Unachtsam entzündetes Tischfeuerwerk oder Wunderkerzen können Luftschlangen oder Girlanden in Brand setzen. Möglicherweise zahlt dann die Versicherung nicht. In einem speziellen Fall entzündeten Feiernde unmittelbar neben dem Weihnachtsbaum Wunderkerzen. Diese entzündeten den Baum. Das Landgericht Offenburg urteilte, dass die Versicherten grob fahrlässig gehandelt hatten. Die Hausratversicherung musste nicht für den Schaden aufkommen (Az.: 2 O 197/02).

Der beste Schutz fürs Auto

Autofahrer müssen Experten zufolge keine große Angst vor abgebrannten Raketen haben. Denn normalerweise beschädigen solche Feuerwerkskörper Fahrzeuge nicht: Stürzen die Reste einer korrekt abgefeuerten Rakete zum Beispiel auf ein Autodach, verursacht das in der Regel keine Lackschäden, erläutert der ADAC. Direkt gegen das Auto abgefeuerte Raketen hinterlassen aber fast immer bleibende Spuren an der Karosserie. Daher sei es am sichersten, sein Feuerwerk nicht in der Nähe von Autos zu zünden. Wer in der Silvesternacht mit dem Auto unterwegs ist, sollte die Fenster geschlossen halten. Als guten Parkplatz in der Silvesternacht empfiehlt der ADAC die Garage oder ruhigere Seitenstraßen.

Wird das Fahrzeug dennoch beschädigt, haftet der Verursacher. Ist dieser nicht ausfindig zu machen, kommt die Teilkasko für Schäden auf. „Mit der Schadensregulierung ist zwar keine Rückstufung verbunden, allerdings muss eine vereinbarte Selbstbeteiligung berücksichtigt werden“, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten.

Von Simone Werner

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