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Weniger schlechtes gewissen beim Heizen - die Preise für Strom, Öl und Gas fallen.

Sinkende Energiepreise

Mieter und Hausbesitzer werden entlastet

Berlin - Hausbesitzer und Mieter können 2015 mit geringeren Energiekosten rechnen. Ein bundesweiter Vergleich rechnet mit einem Strompreis-Rückgang von 2,4 Prozent. Bei den Heizkosten könnten schon heuer Rückerstattungen fällig werden.

Seit Jahren kennt der Strompreis meist nur eine Richtung: Nach oben. Zwischen Januar 2000 und August 2014 haben sich die Strompreise für private Haushalte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nahezu verdoppelt. Nächstes Jahr dürfte damit Schluss sein: Bereits jetzt ist abzusehen, dass in rund acht Millionen Haushalten in Deutschland zum Jahreswechsel der Strompreis sinkt. Das geht aus einer Auswertung des Vergleichsportals Check24 hervor.

Zum 1. Januar hätten 33 Versorger Strompreissenkungen in der Grundversorgung angekündigt, teilte das Münchner Unternehmen gestern mit. Allein in Bayern mäßigen 14 Elektrizitätswerke ab Januar ihre Preise.

Am deutlichsten profitieren die Kunden der Vereinigten Wertach-Elektrizitätswerke von dem Trend: Um knapp 5,4 Prozent purzeln bei dem Stromproduzenten aus dem schwäbischen Kaufbeuren die Preise im Vergleich zum Vorjahr. Ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden zahlt dort im kommenden Jahr etwa 81 Euro weniger als in diesem Jahr.

Kunden der Freisinger Stadtwerke zahlen im Schnitt 2,15 Prozent weniger – eine Ersparnis in Höhe von rund 30 Euro im Jahr. Bei den Stadtwerken München ist ab dem 1. Januar mit einem Preisrückgang von 3,4 Prozent zu rechnen – aufs Jahr gerechnet sind das 48 Euro weniger.

Damit ermittelt Check24 für München eine höhere Ersparnis als die Stadtwerke selbst. Noch vor zwei Tagen hatten die Stadtwerke München eine Preissenkung von nur 2,5 Prozent in Aussicht gestellt. Die unterschiedlichen Zahlen sind leicht zu erklären: Bei ihrer eigenen Berechnung haben die Stadtwerke – anders als das Online-Vergleichsportal – einen anderen Tarif gewählt und einen Verbrauch von jährlich 2500 Kilowattstunden zugrunde gelegt. Das ist nicht unerheblich, da sich der Strompreis aus einem Arbeits- und einem Grundpreis zusammensetzt. Der Arbeitspreis ist vom Verbrauch abhängig und wird pro verbrauchter Kilowattstunde berechnet, erklären die Stadtwerke München. Im Grundpreis sind die festen Kosten für Abrechnung, Service und die Netznutzung enthalten – er ist verbrauchsunabhängig.

An der Tendenz ändert sich trotz der unterschiedlichen Zahlen aber nichts: Im gesamten Bundesgebiet geht Check24 von einem Preisrückgang von 2,4 Prozent aus. Dies entspräche etwa 35 Euro bei einem Vier-Personen-Haushalt. Weitere Senkungen von anderen Energieversorgern könnten noch folgen, da die Frist zur Veröffentlichung erst am 20. November ablaufe, heißt es.

Die Vergleichs-Experten vermuten, dass der Preisrückgang eine Folge der gefallenen Preise an der Leipziger Strombörse ist. Verantwortlich sei außerdem die sinkende EEG-Umlage – diese sinkt im kommenden Jahr geringfügig von 6,24 Cent auf 6,17 Cent je Kilowattstunde. Die Umlage ist Teil des Strompreises. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) soll seit seiner Einführung im Jahr 2000 den Ausbau der erneuerbaren Energie in Deutschland fördern. Die entstehenden Kosten für die Produktion von Strom aus Sonne und Wind werden über die EEG-Umlage an die Stromkunden weitergegeben.

Was für die Stromkosten für das kommende Jahr gilt, dürfte sich in diesem Jahr bereits in geringeren Heizkosten niederschlagen – immerhin machen die Heizkosten in München etwa sieben Prozent der Gesamtmiete aus. Viele Mieter könnten Nebenkostenabrechnung zu ihren Gunsten erwarten, heißt es beim Bayerischen Wohnungs- und Grundeigentümerverband.

„Wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr die Heizkosten um fünf Prozent sinken“, vermutet Verbands-Chef Thomas Fuhrmann. Grund dafür sei der milde Winter und ein gesunkener Heizölpreis. Hausbesitzer mit einem Brenner im Keller konnten ihr Heizöl seit Oktober so billig wie schon lange nicht mehr einkaufen – davon profitieren auch Mieter: „Der Vermieter muss die Heizöl-Preise Eins zu Eins an den Mieter weitergeben“, betont Anja Franz vom Mieterverein München.

Und an den Weltmärkten bleibt das in Dollar gehandelte Rohöl unter Druck: Erst gestern war der Preis für die Nordseesorte Brent wieder nach unten gerutscht. Die Aussicht auf steigende Ölreserven in den USA und eine weiter hohe Fördermenge der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) drückten den Preis. Am Dienstagmorgen kostete ein Fass (159 Liter) zur Lieferung im Dezember 82,07 US-Dollar – 27 Cent weniger als am Vortag.

Optimismus ist auch bei Gaskunden angebracht: Sechs Gasversorger haben bereits günstigere Preise für 2015 angekündigt, heißt es bei Check24. Als bislang einziges bayerisches Unternehmen auch die Freisinger Stadtwerke. Ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden wird um rund 5,2 Prozent entlastet und zahlt 2015 80 Euro weniger. Das ist ziemlich exakt der durchschnittliche Preisrückgang, wie er sich momentan für ganz Deutschland im kommenden Jahr abzeichnet.

Sebastian Hölzle

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