Sinkender Strompreis? Eon dämpft Hoffnung

- München - Viele Verbraucher erwarten durch die stärkere Regulierung der Netzentgelte fallende Strompreise. Diese Hoffnungen dämpfte nun Johannes Teyssen, der Chef von Eon Energie. Zwar rechnet auch er mit "deutlichen Absenkungen" bis zu 20 Prozent. Doch machen die Netzentgelte "nur etwa ein Drittel der Stromrechnung aus".

Teyssen errechnet so eine Entlastung von zwei Euro pro Monat und Haushalt. Dies werde aber durch ausgeweitete Förderprogramme und die Mehrwertsteuererhöhung kompensiert.

Eher sieht der Chef des Energieriesen noch höhere Preise auf die Kunden zukommen. Diese profitieren, so sagt er, noch von einem mit den staatlichen Aufsichtsbehörden abgestimmten durchschnittlichen Preis im Terminmarkt, lange bevor die Energie tatsächlich bezogen wird. Die Verbraucher hätten, so Teyssen, "von den Preisspitzen des letzten dreiviertel Jahres noch nichts mitbekommen".

Immerhin jede vierte der rund 500 Terawattstunden (TWh) Energie, die in Deutschland gekauft werden, kommt von Eon (eine Terawattstunde sind eine Milliarde Kilowattstunden). 30 TWh gehen von Eon direkt an Privatkunden, 60 TWh an Geschäftskunden. Der Rest wird gehandelt, also an andere Versorger verkauft.

Neue gigantische Kraftwerke entstehen in Deutschland. Darunter in Irsching bei Ingolstadt zwei Gaskraftwerke mit über 1300 Megawatt Leistung oder das weltgrößte Kohlekraftwerk in Datteln (Nordrhein-Westfalen). Diese riesigen konventionellen Kraftwerke dienen aber nicht dem Ersatz von Kernkraftwerken, die vom Netz gehen sollen. Sie ersetzen alte, ausgediente Kohleanlagen. Ohnehin sieht Teyssen den Kernkraft-Ausstieg noch nicht als letztes Wort. "Ich gehe davon aus, dass die Laufzeiten verlängert werden."

In anderen Ländern beteiligt sich Eon sogar am Bau neuer Kernkraftwerke. So in Cernavoda (Rumänien). Auch in Holland sieht er Anzeichen für einen Wiedereinstieg in die Kernenergie. Doch auch in erneuerbare Energieträger investiert Eon Energie. Dabei setzt man auf Wind-Offshore-Technologie (Windradparks am Meer) und Biomasse (wofür das Unternehmen Bayern als Investitions-Schwerpunkt betrachtet).

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