Skandalserie: Aufsichtsrat fordert Erklärung von Pierers

- München - Nach der Verhaftung des Siemens-Vorstands Johannes Feldmayer dringt die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat auf eine Erklärung des früheren Konzernchefs Heinrich von Pierer. Die zweifelhaften Verträge mit dem langjährigen Chef der Alternativgewerkschaft AUB fallen in Pierers Amtszeit als Siemens-Chef. Unterdessen wurden in der Korruptionsaffäre um schwarze Kassen ein ehemaliger und ein noch aktiver Siemens-Mitarbeiter zwischenzeitlich verhaftet.

"Es ist denkbar, dass sich Herr Feldmayer im Zentralvorstand abgesichert hat", sagte Heinz Hamreliuk, der als IG-Metall-Vertreter im Siemens-Aufsichtsrat sitzt, der "Financial Times Deutschland". Pierer werde sich als heutiger Aufsichtsratschef deshalb möglicherweise rechtfertigen müssen. "Ich bin mir sicher, dass er das tun wird", sagte der IG-Metall-Vertreter.

Siemens-Europachef Feldmayer bleibt indes weiterhin in Untersuchungshaft. "Bislang wurde kein Antrag auf Haftverschonung gestellt", sagte ein Nürnberger Justizsprecher. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Feldmayer wegen des Verdachts der Untreue. Hintergrund sind ungeklärte Millionenzahlungen des Konzerns an den früheren Siemens-Betriebsrat und AUB-Gründer Wilhelm Schelsky, der bereits seit Mitte Februar in Untersuchungshaft sitzt.

Der auch als Unternehmensberater tätige Gewerkschaftsboss wird verdächtigt, rund 15 Millionen Euro über Berater- und Dienstleister- Verträge kassiert zu haben, ohne dafür angemessene Gegenleistungen erbracht zu haben. Angeblich soll Siemens dem Ex-Betriebsrat sogar ein Rückkehrrecht in eine Führungsposition und Pensionsansprüche zugestanden haben, falls dessen AUB-Projekt als IG-Metall-Gegenstück scheitern sollte.

Unterdessen sehen Aktionärsschützer den Konzern durch den neuerlichen Skandal inzwischen in einer ernsthaften Existenzkrise. "Dass ein aktiver Vorstand verhaftet wird, ist ein Horrorszenario für jedes Unternehmen, eine echte Krisensituation", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) der "Welt". "Wenn Siemens die Situation nicht in den Griff bekommt, droht dem Konzern schwerer wirtschaftlicher Schaden, womöglich sogar die Aufspaltung", warnte Bergdolt.

Unterdessen zieht auch die andere große Korruptionsaffäre bei Siemens Kreise. Im Rahmen der Ermittlungen wegen schwarzer Kassen in Höhe von bis zu 420 Millionen Euro bei der ehemaligen Kommunikationssparte Com hat die Staatsanwaltschaft München einen ehemaligen und einen bislang aktiven Mitarbeiter von Siemens verhaftet. Laut informierten Kreisen handelt es sich dabei nicht um hochrangige Manager. Der bislang aktive Mitarbeiter sei suspendiert worden, teilte Siemens mit. Beide Haftbefehle sind inzwischen außer Volzug gesetzt worden.

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