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Günstig, aber unzuverlässig: Wer seinen Lieben eine Nachricht aus dem Urlaub schicken will, greift heute zum Handy statt zur Flaschenpost. Doch Fotogrüße aus dem Ausland können schnell ins Geld gehen.

Vom Smartphone: Urlaubsgrüße ohne Kostenschutz

München - Urlaub ohne Smartphone? Das ist für viele eine Horrorvorstellung - doch der eigentliche Schreck kommt erst mit der Rechnung. Wer mit seinem Alleskönner-Handy im Ausland online unterwegs ist, zahlt kräftig drauf.

Handy aus und am Strand entspannen. Diese Idealvorstellung von Urlaub haben immer weniger Handy-Nutzer. Kein Wunder, schließlich sind die kleinen Smartphones praktische Alltagshelfer. Doch wer schnell die besten Kneipen am Urlaubsort online abfragen will, verursacht Datenströme und damit hohe Kosten. Je nach Tarif und Reiseland kostet ein Megabyte an Daten derzeit zwischen 49 Cent und 33,80 Euro. Urlaubsfotos in einer Mail mit fünf Megabyte an die Lieben nach Hause zu mailen, kostet also zwischen 2,45 Euro und 169 Euro.

Gewohnte Flatrate gilt nur daheim

Aber auch ohne eigenes Zutun kann das Smartphone im Ausland richtig teuer werden. Daher ist es ratsam, die automatische Einwahlfunktion, mit der sich die kleinen Alleskönner regelmäßig selbst ins Internet einwählen um zum Beispiel Mails abzurufen, zu deaktivieren.

Denn die Datenflatrate, die zu Hause so schön Geld spart, greift im Ausland leider nicht. „Genau das wissen viele Handykunden aber nicht“, sagt Michael Ridder, Telekommunikationsexperte der Verbraucherzentrale Hessen. „Bei Abschluss sollte man den Handyvertrag ganz genau durchlesen. Wer häufiger ins Ausland fährt und sein Handy dort nutzen will, sollte das ansprechen und entsprechende Optionen buchen.“

Das gilt vor allem, wenn es in ein Land außerhalb der Europäischen Union (EU) geht. Denn innerhalb der EU hat die EU-Kommission eine Preisobergrenze für die Datenpreise der Anbieter untereinander festgelegt. Maximal ein Euro netto dürfen sich die Netzbetreiber gegenseitig pro Megabyte in Rechnung stellen. Was die Kunden bezahlen müssen, ist noch nicht begrenzt, doch plant die EU eine entsprechende Regelung.

Bereits seit Juli 2010 wird ab 59,90 Euro an verbrauchten Daten-Roaming-Kosten die Verbindung unterbrochen, so dass die schlimmsten Rechnungsschocks inzwischen ausbleiben dürften. Aber Vorsicht: Diese Regelung gilt nur innerhalb der Europäischen Union. Für Reisen in die USA oder in die Türkei, gibt es keinen Kostenschutz. Auch bei Tarifen mit speziellen Auslandsoptionen wird die Verbindung ab 59,90 Euro nicht automatisch getrennt.

30 Minuten Surfen sind zehn Megabyte

Ein besonderes Angebot für die mobile Datennutzung im Ausland macht seit 1. Juni Vodafone. Neukunden und Vertragsverlängerer, die eine Superflat Internet mobil gebucht haben, können diese Flatrate auch in die 22 ausländischen Vodafone-Netze mitnehmen. Ausgenommen von dieser Vergünstigung sind Kunden mit der Superflat Wochenende. Wer die Auslands-Surf-Flat nicht automatisch dazubekommt, kann die Vodafone Reise Flat Data für 5,99 Euro dazubuchen. Vorteil: Die Option ist monatlich kündbar.

Vergleichbare Angebote hat die Konkurrenz nicht. Statt einer Auslandsflatrate können jeweils Datenpakete gebucht werden. Bei T-Mobile kosten zehn Megabyte am Tag innerhalb der Europäischen Union 1,95 Euro, 50 Megabyte gibt es für 4,95 Euro. Bei O2 kostet ein Tag Surfen im EU-Ausland 15 Euro, ab 50 Megabyte wird die Geschwindigkeit gedrosselt. Ab 1. Juli gibt es 100 Megabyte ungedrosseltes Surfen für zehn Euro.

Verwirrung herrscht oft bei der Frage, welches Datenvolumen beim mobilen Surfen überhaupt verbraucht wird. Zehn Minuten Videos auf Youtube anschauen entspricht etwa 25 Megabyte. Das Herunterladen eines MP3-Songs verursacht einen Datenstrom von fünf Megabyte, 30 Minuten Surfen schlucken schätzungsweise zehn Megabyte. 100 E-Mails ohne Anhang und Bilder können insgesamt nur einem Megabyte entsprechen, dasselbe wie eine einzige Mail mit Bild.

Günstiges WLAN

im Café nutzen

Wer ein WLAN-fähiges Handy hat und Kosten sparen will, kann die mobile Datennutzung im Ausland abschalten und stattdessen nur über WLAN ins Netz gehen. Viele Hotels bieten WLAN inzwischen kostenlos an. Oft gibt es aber auch kostenlose Hotspots in Cafés, Jugendherbergen und Bibliotheken.

Im Ausland ist nicht nur die mobile Datennutzung teuer, auch für das Telefonieren und selbst die Annahme von Gesprächen fallen Gebühren an. Je nach Länge des Aufenthaltes kann es sich deshalb lohnen, vor Ort eine Sim-Karte zu erstehen und ins eigene Handy einzulegen.

Das geht allerdings nur, wenn das Gerät kein Simlock hat, also nicht für weitere Anbieter gesperrt ist. Auf www.gsmworld.com/gsminfo gibt es eine Liste mit Anbietern aus dem Ausland.

Caroline Benzel

Mehr Informationen

gibt es unter dem Fax-Abruf

0 900 1/ 25 26 65 54 (62 Cent/Minute, sechs Seiten) noch bis 8. Juli. Das Fax-Gerät auf „Polling“ oder „Sendeabruf“ stellen, Fax-Service-Nummer wählen und Starttaste drücken. Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 90 Cent frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Smartphone“ an: Versandservice, Lerchenstraße 8, 86938 Schondorf.

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