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Zurück auf die Schulbank – allerdings ohne grüne Wandtafel, Fingerheben und Frontalunterricht. Viele Berufstätige nutzen Fernunterricht, um sich weiterzubilden.

Vom Sofa aus zum Schulabschluss

München - Lernen, wann und wo man will? Klingt praktisch. Viele Berufstätige denken so, wenn sie sich für Fernunterricht entscheiden. Um den richtigen Kurs zu finden, müssen sie die Angebote aber gründlich vergleichen - und das Kleingedruckte durchlesen.

Gemütlich auf dem Sofa schmökern - so stellen sich manche einen Fernlehrgang vor. In Wahrheit ist diese Art der Weiterbildung nichts für Faulenzer. Sie verlangt viel Disziplin und eine Menge Vorbereitung. Denn das Angebot ist groß. Damit Teilnehmer später nicht enttäuscht sind, sollten sie die Kursbedingungen genau prüfen. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

PENSUM: Berufstätige dürfen das Pensum von Fernlernkursen nicht unterschätzen, warnt Martin Kurz, Präsident des Fachverbands Forum Distance-Learning. Bei beruflichen Lehrgängen müssten sie oft 10 bis 12 Stunden pro Woche einrechnen. Ein Fernstudium koste einen häufig sogar 20 Stunden in der Woche. Für Sport und Freunde bleibt entsprechend weniger Zeit. Und auch die Familie müsse das mittragen, sagt Kurz. „Sonst funktioniert das nicht.“

Das Fernlernen habe zwar den Vorteil, dass Teilnehmer flexibel sind, erläutert Kurz. Sie könnten sich aussuchen, wann und wo sie lernen. Das verlangt von Teilnehmern aber, dass sie sich in Eigenregie zum Lernen motivieren können. Dafür sei es hilfreich, feste Lernzeiten einzurichten, um im Rhythmus zu bleiben.

Außerdem macht die Suche nach dem passenden Kurs einige Arbeit: „Die Bandbreite ist riesengroß“, sagt Kurz. Das gelte gerade im kaufmännischen Bereich. „In der Buchhaltung reicht die Palette von Anfängerkursen bis hin zu Spezialthemen wie internationaler Rechnungslegung.“ Ein häufiger Grund für einen Abbruch sei, dass Teilnehmer vorher falsche Vorstellungen vom Kursinhalt hatten.

KOSTEN: Hier müssen Kursteilnehmer sich vor Überraschungen in Acht nehmen. Dazu sollten sie auf Extrakosten achten, die neben der Kursgebühr anfallen - etwa für Prüfungen, rät Ludwig Pelzer von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU). Außerdem sind bei vielen Fernlernkursen auch Präsenzseminare eingeplant. Dann müssten Teilnehmer die Kosten für Anreise und Übernachtungen einkalkulieren, rät die Stiftung Warentest in ihrem Sonderheft „Spezial Karriere 2011“.

RÜCKTRITTSKLAUSELN: Vor dem Buchen eines Kurses lohnt sich ein Blick auf die Rücktrittsklauseln. Gesetzlich sei vorgeschrieben, dass Kursteilnehmer im Fernunterricht zwei Wochen lang gebührenfrei vom Vertrag zurücktreten dürfen, erläutert Ludwig Pelzer von der ZFU. Diese Frist beginne erst, wenn der Teilnehmer die Vertragsurkunde und die ersten Lernunterlagen in den Händen hält - nicht etwa mit der Buchung. Oft haben Teilnehmer sogar mehr Zeit, um Angebote unverbindlich zu testen. So böten viele Anbieter einen Probemonat an, erläutert die Stiftung Warentest. Das ist eine gute Gelegenheit, um herauszufinden, ob einem das Fernlernen liegt.

VERLÄNGERUNG: Gut ist es, wenn sich der Kurs kostenlos verlängern lässt, rät die Stiftung Warentest. Viele Angebote sähen vor, dass Teilnehmer den Kurs ohne Preisaufschlag um bis zu 50 Prozent der Gesamtdauer verlängern können. Dann sind sie nicht gleich dazu gezwungen, den Kurs abzubrechen, wenn sie etwa wegen einer Krankheit oder aus familiären Gründen pausieren müssen.

BETREUUNG: Die Aufgabe ist unverständlich? Oder die Formel will einfach nicht aufgehen? Dann ist es wichtig, dass die Dozenten gut für Fragen erreichbar sind - am besten auch telefonisch, rät Martin Kurz. Denn im persönlichen Gespräch lasse sich manches schneller klären als per E-Mail. „Sonst hat man dieses Hin- und Hergemaile.“

Berufstätige müssten außerdem darauf achten, dass sie auch außerhalb der Arbeitszeit jemanden erreichen können, sagt Kurz. Denn wer beim Lernen am Abend alleine nicht weiterkommt und dann merkt, dass der Dozent nur bis 16 Uhr erreichbar ist, hat ein Problem. Und es kommt darauf an, dass der Kursleiter schnell auf E-Mails antwortet. Einige Anbieter garantierten zum Beispiel, dass Teilnehmer eine Rückmeldung innerhalb von 48 Stunden erhalten und erledigte Aufgaben binnen einer Woche korrigiert werden.

ZULASSUNG: Jeder Fernlehrgang zur beruflichen Weiterbildung muss staatlich zugelassen sein, erklärt Ludwig Pelzer von der ZFU. Das sei gesetzlich vorgeschrieben. Ausgenommen davon sind Hobbykurse, die laut Gesetz nur „der Freizeitgestaltung oder der Unterhaltung“ dienen. Bei allen anderen nimmt die ZFU die didaktischen Konzepte unter die Lupe und prüft, ob die Vertragsklauseln zu Gebühren und Rücktrittsrechten vorschriftsgemäß sind. Eine PC-Schulung kann als Hobbykurs, aber auch als berufliche Weiterbildung angeboten werden. „Wer das beruflich verwerten will, sollte daher auf die Zulassung achten“, rät Kurz. Sie zeige auch an, dass der Kurs auf die Bedürfnisse von Berufstätigen zugeschnitten ist.

Von Tobias Schormann

Mehr Informationen unter:

www.zfu.de oder

www.forum-distance-learning.de

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