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Knapp 1,6 Millionen Photovoltaikanlagen gibt es in Deutschland, rund 928 000 davon gehören Privathaushalten, schätzt der Bundesverband Solarwirtschaft.

Lohnt eine Versicherung?

Solaranlage versichern: Risiko auf dem Dach

Eine Police ist zwar nicht Pflicht. Aber es ist durchaus sinnvoll, eine Solaranlage auf dem Hausdach zu versichern. Gute Verträge gibt es bereits ab 100 Euro im Jahr.

Die meisten der 928 000 privat betriebenen Photovoltaikanlagen stehen auf Dächern. Eine Versicherung ist laut der Stiftung Warentest zwar keine Pflicht, aber aus Sicht der Verbraucherschützer auf jeden Fall empfehlenswert. Denn Schäden sind oft teuer, vor allem die durch Sturm, Überspannung und Feuer. Beim Brand können Flammen aufs Haus übergreifen. Wurden die Module über Kredit finanziert, verlangen die meisten Banken ohnehin eine Versicherung. Auch Marderprobleme sind nicht selten. Der Schaden an sich ist nur gering, aber die Suche nach der Ursache kann lange dauern.

Kunden haben bei der Wahl einer Police zwei Möglichkeiten, schreibt die Zeitschrift „Finanztest“ in ihrer März-Ausgabe. Sie können den Photovoltaikschutz bei vielen Wohngebäudeversicherern als Zusatzbaustein ihrer Wohngebäudeversicherung abschließen. Oder sie kaufen dafür eine separate Police. Die Finanztester haben 42 Verträge geprüft und festgestellt: Viele Tarife beider Varianten bieten löchrigen Schutz. Teils sind Überspannung, Tierbiss oder Ertragsausfall nicht versichert. Einen Rund-um-Schutz bieten nur Policen mit einem von „Finanztest“ empfohlenen Mindestschutz.

Mindestschutz

Folgende Leistungen sollte die Police abdecken:

  • Brand: Brände sind zwar selten, aber im Extremfall der teuerste Schaden.
  • Blitz: Versichert ist der direkte Einschlag in die Solaranlage.
  • Tierbiss: Nicht nur Schäden durch Marder, sondern auch durch andere Nagetiere sollten mitversichert sein.
  • Sturm/Hagel: Dieser Schutz wird immer wichtiger; schwere Stürme treten immer häufiger auf.
  • Grobe Fahrlässigkeit: Die Versicherung sollte auch dann zahlen, wenn der Kunde einen Schaden grob fahrlässig mitverursacht hat.
  • Bedienungsfehler: Sie sind selten, sollten aber im Schutz enthalten sein.
  • Überspannung/Kurzschluss: Dieser Schutz greift beispielsweise, wenn der Blitz eine Überlandleitung trifft und dadurch die Anlage beschädigt wird.
  • Diebstahl: Das ist eher ein Problem bei großen, gewerblichen Analgen. Module vom Hausdach zu schrauben, ist auffällig, ihr Verkaufswert gering.
  • Schneedruck/Lawinen: Wird Schnee nass und verdichtet sich, erhöht sich das Gewicht enorm. Schäden an der Unterkonstruktion und den Modulen können die Folge sein. Auch Frost- und Wasserschäden sollten mitversichert sein.
  • Ertragsausfall: In der Regel reicht es, wenn die Versicherung für maximal drei Monate den Betrag zahlt, den die Anlage im Schnitt der letzten zwölf Monate erwirtschaftet hat.

Zusatztarife

Von den im jüngsten Test von Wohngebäudeversicherungen als empfehlenswert eingestuften Tarifen bieten sieben den „Finanztest“-Mindestschutz in ihrem Photovoltaikbaustein: Allianz (SicherheitPlus), Basler (Ambiente Top), Bruderhilfe (Classic), Huk-Coburg (Classic), Huk24 (Classic), Waldenburger (Premium) und WGV (Optimal). Dann gilt der Verzicht des Versicherers auf Kürzung bei grober Fahrlässigkeit sowohl für die Gebäudeversicherung als auch den Photovoltaikschutz. Bei sechs der empfehlenswerten Wohngebäudeversicherungen ist der Photovoltaikbaustein lückenhaft. Neun Wohngebäudetarife, die den Zusatz im Programm haben, sind nur eingeschränkt empfehlenswert oder kamen im letzten Test nicht vor.

Die Mehrkosten für einen Photovoltaikzusatz in der Gebäudepolice belaufen sich auf 28 bis 132 Euro pro Jahr. Das ist manchmal günstiger als eine separate Photovoltaikversicherung. Diese Policen kosten zwischen 60 und 250 Euro im Jahr. Häufig ist ein Mindestbeitrag fällig.

Bis auf wenige Ausnahmen können bei den separaten Policen Versicherer zudem die Leistung kürzen, wenn der Kunde grob fahrlässig war. Hat er zum Beispiel Umzugskartons beim Wechselrichter gestapelt, der 100 Grad Betriebstemperatur erreichen kann, könnten Versicherer das grob fahrlässig finden und im Brandfall weniger zahlen.

Ein Zusatzbaustein hat im Vergleich zur separaten Versicherung im Schadensfall einen weiteren Vorteil: Der Kunde hat es mit nur einer Versicherung zu tun.

Ohnehin müssen Kunden dem Gebäudeversicherer die Solaranlage melden. Sie steigert den Wert des Hauses. Allein das verteuert den Jahrespreis der Gebäudepolice.

Aktiv werden

Besitzer von Solaranlagen sollten sich um Versicherungsschutz kümmern. In vielen Gebäudetarifen sind die Stromerzeuger ausdrücklich ausgeschlossen. Es gibt zwar auch Verträge, die kleine Anlagen bis zehn Kilowatt mitversichern. Aber der Schutz bezieht sich oft nur auf die Risiken, für die die Gebäudepolice greift: Feuer, Sturm, Hagel, Leitungslecks, je nach Vertrag auch Naturgefahren wie Erdbeben und Überschwemmung. Nicht dazu gehören Marderschäden, Diebstahl und Kurzschluss. Das lässt sich nur über einen Zusatzbaustein absichern – oder, wenn es den beim eigenen Wohngebäudeversicherer nicht gibt, über eine separate Police.

Brände sind bei Solaranlagen selten, dann aber teuer. Unbegründet ist die Sorge, die Feuerwehr könne sich weigern zu löschen und das Haus wegen der Gefahr eines Stromschlags lieber kontrolliert abbrennen lassen. Wichtig ist, dass Besitzer von Photovoltaikanlagen auch das Haftpflichtrisiko versichert haben, zum Beispiel, falls ein Brand auf das Nachbarhaus übergreift. In modernen Privathaftpflichtversicherungen sind Solaranlagen von Privatleuten meist enthalten.

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