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Besitzer von Solaranlagen bekommen derzeit Post von ihrem Netzbetreiber. Eine Umrüstung ist fällig.

Energie

Solaranlagen: Wer jetzt nachrüsten muss

München – Die Zahl der Solaranlagen in Deutschland steigt. Um die Netzstabilität zu gewährleisten, müssen einige Anlagen nachgerüstet werden. Wer von den verschiedenen Änderungen betroffen ist – ein Überblick:

50,2-Hz-Nachrüstung

Da sich Strom nicht einfach speichern lässt, müssen Angebot und Nachfrage im Stromnetz stets im Gleichgewicht stehen. In Europa beträgt die Frequenz im Normalzustand 50 Hertz (Hz). Steigt die Frequenz, deutet das darauf hin, dass mehr Leistung ins Stromnetz eingespeist wird, als zur gleichen Zeit verbraucht wird. Um die Netzstabilität zu gewährleisten, waren Photovoltaik-Anlagen bisher so eingestellt, dass sie sich bei einer Frequenz von 50,2 Hz abschalten. Da die Gesamtleistung der Solaranlagen in Deutschland ständig steigt, könnte das abrupte Ausschalten vieler Kleinanlagen die Stromnetze in Bedrängnis bringen. Daher ist eine Nachrüstung nötig. Sie soll ein behutsames Abschalten im Notfall ermöglichen.

Betroffen sind ans Niederspannungsnetz angeschlossene Anlagen mit einer Nennleistung von mehr als zehn Kilowatt, die nach dem 31. August 2005 und vor dem 1. Januar 2012 in Betrieb gingen. Auch Anlagen mit einer Nennleistung von über 100 Kilowatt – Inbetriebnahme zwischen 30. April 2001 und 1. Januar 2012 – müssen nachrüsten. Anlagen auf Dächern sind in der Regel mit dem Niederspannungsnetz verbunden. Eine Solaranlage auf einem Einfamilienhaus hat meist eine installierte Leistung von unter zehn Kilowatt.

Ebenfalls betroffen sind ans Mittelspannungsnetz angeschlossene Anlagen mit einer Nennleistung von über 30 Kilowatt, die nach dem 30. April 2001 und vor dem 1. Januar 2009 in Betrieb genommen wurden. Von der Nachrüstung dürften bundesweit rund 300 000 Photovoltaik-Anlagen betroffen sein, schätzt der Bundesverband Solarwirtschaft.

Die Anlagenbetreiber müssen nicht selbst aktiv werden. Der Verteilnetzbetreiber schreibt die Betroffenen an, die innerhalb von vier Wochen reagieren müssen. Die Umrüstung ist für den Anlagenbetreiber kostenlos. Sie wird über die EEG-Umlage und die Netzentgelte finanziert.

Einspeisemanagement

Beim Einspeisemanagement geht es ebenfalls um die Netzstabilität. Die Nachrüstung betrifft aber eher größere Anlagen wie etwa Solardächer auf Scheunen oder Solarparks. Mit dem Einspeisemanagement soll erreicht werden, dass Netzbetreiber im Notfall auch Solaranlagen vom Netz nehmen können. Betroffen sind Solaranlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 30 bis maximal 100 Kilowatt, die in den Jahren 2009, 2010 und 2011 in Betrieb gingen. Sie waren bisher vom Einspeisemanagement befreit. Diese Übergangsfrist läuft zum Jahresende aus. Sollten die Betroffenen ihre Anlage nicht bis dahin nachrüsten, verlieren sie ihren Anspruch auf Vergütung des Solarstroms.

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Im Gegensatz zur 50,2-Hz-Nachrüstung müssen sich die Anlagenbetreiber selbst um die Nachrüstung kümmern und auch die Kosten tragen. Der Bundesverband Solarwirtschaft schätzt, dass bundesweit rund 70 000 Anlagenbetreiber betroffen sind.

Mehr Information

gibt es im Netz beim Bundesverband Solarwirtschaft unter www.solarwirtschaft.de/ nachruestung und www.solarwirtschaft.de/einspeisemanagement. Hier gibt es auch eine Ausfüllhilfe für den Fragebogen zur 50,2-Hz-Nachrüstung.

Steffen Habit

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