Solaranlagen: Lange Wartezeiten für Ökostrom-Anschluss

München - Die Zahl der Photovoltaik-Anlagen in Bayern steigt und steigt – trotz der kräftigen Kürzungen bei der Solarförderung. Die Energieversorger kommen jedoch mit dem Anschluss kaum hinterher.

Für viele Stromkunden, die sich eine Anlage aufs Dach setzen, beginnt das vermeintlich gute Geschäft daher mit langen Verzögerungen.

Wolf-Jürgen Petrich aus Weilheim ist einer der Betroffenen. Im Juli 2011 teilte er Eon Bayern mit, dass seine Photovoltaik-Anlage quasi fertig ist. Es dauerte bis November, bis ein Stromzähler eingebaut wurde – wegen „Überlastung der Mitarbeiter“, so die Begründung für die Verzögerung. „Seit November habe ich Eon Bayern mit Strom beliefert“, sagt Petrich. Einen Einspeisevertrag habe er dennoch monatelang nicht bekommen – und auch keine Vergütung. Erst vor wenigen Tagen kamen die nötigen Formulare. Mehr als ein Vierteljahr nachdem er angefangen hatte, Strom zu produzieren.

Wolf-Jürgen Petrich ist kein Einzelfall. 220 000 Photovoltaikanlagen sind bis Ende 2009 im Freistaat ans Netz gegangen, so das bayerische Umweltministerium. 2010 kamen weitere 80 000 Anlagen hinzu. Rechnet man die Leistung aller bestehenden Anlagen zusammen, ergibt sich laut Ministerium eine mögliche Gesamt-Leistung von insgesamt 6300 Megawatt. Zum Vergleich: Die Atomkraftwerke Isar 1 und Isar 2 liefern zusammen eine Nettoleistung von etwa 2300 Megawatt.

Eon Bayern hat mit dem Ansturm der Photovoltaik-Betreiber massiv zu kämpfen. 40 000 neue Anlagen brachte das Unternehmen alleine im Jahr 2011 ans Netz. Lange Wartezeiten seien kein Einzelfall, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Die Antragsflut habe zu gewissen Verzögerungen geführt. Eon Bayern spricht von einem „Bearbeitungsstau“. Darüber hinaus verweist der Konzern auf Probleme bei der Umstellung des Abrechnungssystems. Schon in den nächsten Tagen, hofft Eon, könnte der Antragsstau abgebaut sein.

Länger warten müssen derzeit vor allem Niederbayern. Dort ist der Zuwachs bei den Solaranlagen besonders groß. Der Grund: Es gibt viele geeignete Freiflächen und statistisch mehr Sonnenstunden als in anderen Regionen.

Die Investition in Sonnenstrom ist trotz Kürzungen offenbar immer noch ein gutes Geschäft. Jeder Betreiber erhält eine festgelegte Einspeisevergütung – das ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt. Für Solarstrom vom Hausdach gibt es zum Beispiel derzeit noch 24,43 Cent je Kilowattstunde. Die Differenz zwischen dem Vergütungssatz und dem Marktpreis zahlen die Stromkunden über die EEG-Umlage. Sie liegt derzeit bei 3,59 Cent pro Kilowattstunde.

Auch Wolf-Jürgen Petrich will am Sonnenstrom mitverdienen: „Ehe ich das nur mit der Stromrechnung mitzahle, stelle ich mir lieber selbst eine Anlage aufs Dach.“ Spätestens nach zehn Jahren habe sich die Investition gelohnt, schätzt der Weilheimer.

Um die Belastung für die Stromkunden zu begrenzen, will Schwarz-Gelb die Solarförderung erneut kräftig kürzen. Danach soll zum 1. April die Vergütung um bis zu 30 Prozent reduziert werden. Details wie etwa Übergangsregelungen sind allerdings immer noch offen.

Doch das Kleingedruckte ist für diejenigen, die gerade erst eine Photovoltaik-Anlage in Auftrag gegeben haben, entscheidend. Fallen sie noch unter die alte Regelung oder gelten die neuen gekürzten Sätze? Dabei geht es um viel Geld. Die zugesagte Förderung zahlt der Bund über 20 Jahre. „Entscheidend ist das Inbetriebnahmedatum“, erklärt Josef Schönhammer, Sprecher von Eon Bayern. Dafür müsse noch keine Kilowattstunde abgerechnet sein. „Es reicht, wenn die Anlage technisch dazu in der Lage ist, zu arbeiten“, so der Sprecher. „Es muss nur der Elektronenfluss nachgewiesen werden.“

Felix Müller

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