Solarboom: Megatrend oder wieder eine Spekulationsblase?

- Bill Gates hatte einen guten Riecher, als er sich vor sechs Jahren Aktien der Solarworld AG gekauft hatte. Man weiß zwar nicht, ob der Microsoft-Chef die Werte immer noch hält, wahrscheinlich ist aber, dass er seinen Einsatz vervielfacht hat: Wer vor zwei Jahren 10 000 Euro in Solarworld angelegt hat, kann bis heute einen Gewinn von über 200 000 Euro sein Eigen nennen.

Auch die meisten anderen Photovoltaik-Werte explodierten in den letzten Monaten. Das Wort Photovoltaik setzt sich aus dem griechischen Wort für Licht und dem Namen des Physikers Alessandro Volta zusammen. Es bezeichnet die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie. Während die einen von einem neuen Megatrend sprechen, der langsam in die Gänge kommt, befürchten andere eine Spekulationsblase, die bald platzen wird.

150 Prozent Zuwachs 2005

Vor allem die stark steigenden Preise für Öl und Gas, aber auch der Trend zu erneuerbaren Energien rücken Solarenergie in den Fokus. Die Nachricht über ein milliardenschweres Solar-Subventionsprogramm im US-Staat Kalifornien heizte in den letzten Tagen die Kurse zusätzlich an. Der 26 Aktien umfassende Photovoltaik-Index (PPVX) legte im Jahr 2005 stolze 150 Prozent zu, allein in den ersten 20 Tagen des neuen Jahres gewann er mehr als ein Viertel seines Wertes. Investmentfonds, aber auch Kleinanleger setzen auf Solar-Aktien.

Mehr als Öl und Kohle

Die Gewinnung von Solarenergie ist ein bedeutender Markt. In Deutschland gibt es mehr als 5000 in diesem Bereich tätige Unternehmen, die einen jährlichen Umsatz von über zwei Milliarden Euro generieren. Experten erwarten in den nächsten 15 Jahren eine Verzehnfachung des Absatzes. Der Ölmulti Shell geht davon aus, dass die Sonne im Jahr 2060 mehr Energie liefern wird als Öl und Kohle zusammen. Die staatliche Förderung von Solarstrom macht es - nicht nur in Deutschland - auch für Privatpersonen interessant, in Photovoltaik-Anlagen zu investieren. Wer hierzulande Solarstrom herstellt, erhält in den nächsten mindestens 20 Jahren pro eingespeiste Kilowattstunde 50 Cent.

Erfahrung fehlt

Doch auch in der Solarbranche wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Da die Dauer des Trends schwer einschätzbar ist, muss man damit rechnen, dass die Welle der Euphorie abebbt. Risiken werden in der Euphorie weitgehend ausgeblendet, sollten bei einem Aktieninvestment aber beachtet werden: Da die Branche am Anfang steht, fehlen langfristige Erfahrungswerte. Die Abhängigkeit von der Sonne, die sich hierzulande häufig rar macht, andere alternative Energiequellen, aber auch die tendenziell rückläufigen staatlichen Förderungen, können den Trend bremsen.

Sand in Hülle und Fülle

Das Hauptproblem ist derzeit die Aufbereitung des für die Herstellung der Reflektoren notwendigen Siliziums. Das ist als Quarzsand in gebundener Form nahezu unbegrenzt verfügbar. Es gibt aber bisher weltweit nur vier Firmen, die sich auf die Siliziumaufbereitung spezialisiert haben. Deren Auftragsbücher sind seit langem prall gefüllt. Beispiele sind die japanische Tokujama und die deutsche Wacker Chemie. Kein Wunder, dass die Preise für Silizium sich binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt haben. Für ein Megawatt Leistung braucht man etwa zehn Tonnen Silizium. Erst etwa ab 2008 kann eine ausreichende Kapazität sichergestellt werden.

Nicht alle profitieren gleich

Wer Solaraktien kaufen möchte, muss wissen, dass nicht alle Firmen gleich profitieren. Ein Blick auf die Wertschöpfungskette hilft: Rohsilizium wird zu Blöcken geschmolzen, daraus werden Solarzellen hergestellt. Aus deren Verkettung entstehen Photovoltaik-Module. Am Ende stehen Solarsysteme. Vor allem Firmen am Anfang der Wertschöpfungskette gehörten bisher zu den großen Gewinnern. Die Kurskapriolen der Solarzellenhersteller Q-Cells, Ersol und Solarworld unterstreichen dies.

Risiko senken

Wer darüber nachdenkt, sein Depot mit Solarwerten zu bestücken, hat neben der Direktanlage in die boomenden und bereits korrekturbedürftigen Einzelwerte die Möglichkeit, mit Fonds oder Zertifikaten sein Risiko zu senken. Auch mit Blue-Chips wie Siemens (führender Hersteller von Solarzellen), RWE oder Eon kann man am Trend partizipieren.

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