Solarstrom bald ohne Subventionen

München - Deutschland hat international einen glänzenden Ruf, was Sonnenenergie betrifft. Die heimische Branche strotzt vor Zuversicht und schafft Tausende Stellen. Spätestens 2015 soll Solarstrom ohne Subvention wettbewerbsfähig sein.

Die Sonne lacht der deutschen Solarbranche. Global rasant steigende Nachfrage, Weltmarkführerschaft und Tausende neue Stellen. Das sind die Eckpunkte, mit denen der Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, Carsten Körnig, im Vorfeld der von Freiburg nach München verlagerten Messe Intersolar seine Branche beschreibt. In die Hände spielen ihr explodierende Ölpreise, der Kampf gegen den Klimawandel und die Erneuerung des Gesetzes für Erneuerbare Energien (EEG).

Unangefochten die globale Nummer eins der Zukunftsbranche sind deutsche Firmen und Forscher aber nicht mehr, räumt Körnig ein. In der Produktion von Solarzellen mache vor allem China der heimischen Branche die Weltmarktführung streitig. Bei Kapazitäten hat China mit 28 Prozent gegenüber Deutschland mit 20 Prozent bereits die Nase vorne, schätzen Experten. Weil chinesische Fabriken im Gegensatz zu deutschen Werken aber oft schlecht ausgelastet seien, habe Deutschland im Ausstoß sowie technologisch noch die Führung inne, betont Körnig. Er ist zuversichtlich, auch langfristig ein Fünftel Weltmarktanteil verteidigen zu können.

Da Solartechnik global mit Raten von 20 Prozent per annum boomt, bedeute das bis zum Jahr 2030 ein Anwachsen der Exporte von zwei auf 40 Milliarden Euro, beschrieb der Lobbyist die Perspektiven. Auch im eigenen Land, wo so viele Solarzellen Strom liefern wie nirgendwo, blieben die Absatzchancen glänzend. Für 2008 schätzt der Solarverband ein Umsatzwachstum von fast einem Drittel für Photovoltaik und Solarthermie. Letzteres ist die direkte Umwandlung von Sonnenenergie in Heizwärme. "Immer mehr Bundesbürger sehen, dass sie weg müssen vom teueren Öl", beschreibt Körnig einen Trend.

In der Summe könnten damit die Branchenumsätze im Inland 2008 von 6,4 auf 8,5 Milliarden Euro steigen. Nachdem die Branche schon im Vorjahr in Deutschland rund 10 000 Stellen aufgebaut hat, rechnet der Verband auch 2008 mit einigen tausend neuen Arbeitsplätzen. In der Photovoltaik sind hierzulande 42 000 Menschen beschäftigt. Weitere 15 000 Frauen und Männer arbeiten in der Solarthermie. Bis 2020 will die die Branche allein mit Solarstrom elf Milliarden Euro umsetzen und in diesem Teilbereich über 100 000 Menschen beschäftigen. Neue Schübe soll vor allem das Ausland bringen. In Deutschland wohnen bereits drei Millionen Menschen in Häusern, die für Strom oder Heizung eigene Solaranlagen besitzen.

Den Boom der Solartechnik verdeutlicht auch das Wachstum ihrer weltgrößten Messe Intersolar. Der Umzug nach München hat ihr eine neue Dimension beschert, jubelt der Freiburger Touristik-Chef Klaus Seilnacht. Zur Premiere in München wurde die Zahl der Aussteller um zwei Drittel auf rund 1050 Firmen erhöht. Erwartet werden mindestens 40 000 Besucher. Die Fachmesse beginnt am Donnerstag und hat bis einschließlich Samstag geöffnet.

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