Photovoltaik: Dank gesunkener Preise erzielten die Betreiber der Anlagen horrende Renditen. Das ändert sich nun. Foto: dpa

Solarstrom: Neue Regeln für die Förderung

München - Die Solarförderung wird gekürzt. Das beschloss gestern das Bundeskabinett. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Finanzhilfen für Sonnenstromanlagen.

Die Kürzung der Solarförderung hat das Bundeskabinett passiert. Was aber bedeutet die Kürzung? Was sind die Folgen für die Solarstromerzeuger und Verbraucher?

-Bekomme ich jetzt für meine alte Solaranlage weniger Geld?

Wer sich 2007 eine Photovoltaikanlage (bis zu 30 Kilowatt) aufs Dach gesetzt hat, bekommt bis 2027 weiterhin 49,22 Cent für eine Kilowattstunde. Dieser Satz wird ohnehin jedes Jahr abgeschmolzen. Er beträgt bei Installationen aus dem Jahr 2008 46,75 Cent (bis 2028), aus dem Jahr 2009 42,01 Cent (bis 2029). Wer sein Solarkraftwerk bis zum 31. Juni 2010 in Betrieb nimmt, bekommt bis ins erste Halbjahr 2030 für jede eingespeiste Kilowattstunde 39,14 Cent. Für später fertiggestellte. Anlagen gilt der neue Satz von 32,88 Cent – ebenfalls für 20 Jahre. Für Großanlagen ist die Vergütung geringer. Sie beträgt im zweiten Halbjahr 2010 wenigstens 24,57 Cent.

-Lohnt sich die Investition dann noch?

Bisher gingen alle Beteiligten – selbst die Solarwirtschaft – von einer Überförderung aus. Der Boom der Solaranlagen geht darauf zurück, dass die Kosten für Anlagen schneller sank als die Vergütung für den Strom. Das machte sie für die Betreiber hochrentabel. Die Befürworter der Kürzung gehen auch davon aus, dass die Senkung der Vergütung die Solarbranche zu sinkenden Preisen zwingt.

-Sinken die Preise auch in Zukunft?

Die Preise schmelzen mit der erwarteten Senkung der notwendigen Investitionskosten weiter ab, bis sie Marktniveau erreicht haben. Dies kann nach der Neuregelung schneller gehen als ursprünglich geplant. Wird das Ausbauziel von nunmehr 3500 (bislang 1700) Megawatt im Jahr überschritten, sinkt die Vergütung pro 1000 Megawatt Überschreitung um zwei (ab 2011 um drei) Prozent zusätzlich zur ohnehin vorgesehenen Abschmelzung. Allerdings sinken die Vergütungssätze auch langsamer, wenn der Ausbau 2500 Megawatt unterschreitet.

-Kann man den selbst erzeugten Strom auch selbst verbrauchen?

Wenn man einen entsprechenden Zähler montieren lässt, gibt es auch dafür Geld.

Diese erst seit 2009 vorgesehene Möglichkeit wird nun sogar attraktiver. Gegenüber eingespeisten und dann vom Versorger zurückgekauften Strom ergibt sich künftig ein

Preisvorteil von rund acht Cent (bisher 3,6 Cent) pro Kilowattstunde. Wer als Betreiber Spül- oder Waschmaschinen bei starker Sonneneinstrahlung in Betrieb nimmt, kann damit zusätzlich Geld sparen.

-Werden auch die riesigen Solaranlagen auf Wiesen oder Feldern gefördert?

Bisher ja – und zwar mit 28,43 Cent pro Kilowattstunde. Doch die Solarförderung auf Ackerflächen wird mit der Neuregelung gestrichen. Dafür werden Gewerbe und Industrieflächen sowie Flächen entlang von Bahntrassen und Autobahnen aufgenommen. Auf anderen Freiflächen sinkt die Förderung um 15 Prozent auf 24,17 Cent. Bei früheren militärisch genutzten Flächen oder aufgelassenen Industriegebieten geht sie lediglich um elf Prozent auf 25,3 Cent zurück. Doch es gibt eine Übergangsregelung. Bei Anlagen, für die bereits 2009 einen Bebauungsplan bestand, und die 2010 fertiggestellt werden, gelten weiter die bisherigen 28,43 Cent.

-Welchen Stellenwert kann die Photovoltaik erreichen?

Rein von der Zahlenform sind die derzeit installierten 9000 Megawatt Photovoltaik nicht schlecht. Das ist etwa sechs mal soviel wie das Kernkraftwerk Isar II liefern kann. Doch während ein Kernkraftwerk seine Leistung beständig liefert, fällt Sonnenenergie je nach Einstrahlung an. Die 9000 Megawatt werden nur erzeugt, wenn mittags überall in Deutschland die Sonne scheint. Nachts dagegen liegt die Ausbeute bei Null. Wie bei der Windenergie stehen Zeiten mit hohen Stromspitzen solchen ohne jede Erzeugung gegenüber. Deshalb werden sich beide Formen der Stromerzeugung nur dann langfristig halten können, wenn zusätzlich zu den bestehenden Pumpspeicherkraftwerken zahlreiche weitere Möglichkeiten erschlossen werden, elektrische Energie wirtschaftlich zu speichern.

Martin Prem

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