Sommer-Schlussverkauf an der Börse: Wie zu schlimmsten Zeiten

- München - An den Börsen geht es abwärts. Der Index der 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands, Dax, ist gestern auf den niedrigsten Stand des Jahres gerutscht. Der Tec-Dax, der die Kursentwicklung der 30 wichtigsten Technologie-Firmen abbildet, sackte so rasant ab wie zu Crash-Zeiten. Händler sprachen von einem Ausverkauf.

<P>Der Deutsche Aktienindex fiel unter 3700 Punkte und notierte zwischenzeitlich mit einem Minus von 1,65 Prozent bei 3666 Zählern. Zuletzt stand der Gradmesser der deutschen Standardwerte im November 2003 niedriger. Der Tec-Dax, Nachfolge-Segment des Neuen Marktes, weckte die Erinnerung an alte schlechte Zeiten. Bis zu 5,8 Prozent verlor der Index und notierte unter 440 Punkten. Seit Anfang Juli hat das Segment fast ein Viertel seines Wertes eingebüßt.<BR><BR>Marktbeobachter nannten vorangegangene Kursverluste an den US-Börsen als Grund für den Sommer-Ausverkauf. Der Dow Jones war in der vergangenen Woche gegenüber seinem Hoch um 400 Punkte oder rund vier Prozent gefallen. Ascan Iredi, Chef-Aktienhändler der Postbank, sprach von einer "ungünstigen Gemengelage, die sich auch nicht einfach auflöst". Es gebe Befürchtungen bezüglich des Ölpreises, der Konjunkturentwicklung und einer Zinserhöhung in den USA. Experten rechnen für die kommende Woche mit einem Zinsschritt der US-Notenbank Fed um ein viertel Prozent. </P><P>Das würde die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen verteuern und konjunkturdämpfend wirken. "Wir haben die größte Dynamik beim Gewinnwachstum der Unternehmen schon gesehen", sagte Gerhard Schwarz, Leiter Anlagestrategie bei der HypoVereinsbank. "Jetzt bestehen Unsicherheiten bezüglich der Konjunktur." Zudem sei das Umfeld saisonal schwierig. "Das dritte Quartal war in den letzten 20 Jahren immer das mit Abstand schlechteste Quartal an den Börsen."<BR><BR>Angesichts dieser Situation "dürfte es schwierig sein, den Trend zu drehen", sagte Iredi. Die Jahrestiefststände im Dax und im Tec-Dax wertete er als Verkaufssignale, auf die insbesondere institutionelle Investoren reagiert hätten. Dies habe zu weiterem Abwärtsdruck im Markt geführt. Am stärksten litten Finanzwerte wie Allianz, Münchener Rück, HypoVereinsbank und Commerzbank. "In diesem Umfeld traut man den Finanztiteln weniger zu", erklärte Iredi. Im Tec-Dax verloren mehrere Papiere im zweistelligen Prozentbereich an Wert. Freenet-Aktien sausten zwischenzeitlich um 19 Prozent ins Minus, Mobilcom um 16 und United Internet um 13.</P><P>Die Abwärtsbewegung dürfte nach Auffassung von Experten anhalten. Der Dax werde wohl Kurs auf 3600 Punkte nehmen, urteilt Iredi. "Es kann aber auch weiter runtergehen." Charttechnisch orientierte Anleger sehen die nächste Unterstützung bei 3577 Punkten. Die neuen Jahrestiefststände wertete ein Börsen-Experte als "schlechtes Vorzeichen für das gesamte zweite Halbjahr 2004".</P>

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