Das Münchner BMW-Werk stoppt die Produktion um Weihnachten und Neujahr für zwei Wochen.

Autoindustrie lässt Produktion ruhen

Von der Sonderschicht in die Weihnachtspause

München/Ingolstadt - Die Produktion läuft an der Kapazitätsgrenze. Nach vielen Sonderschichten in diesem Jahr stoppen Bayerns Autowerke um Weihnachten die Produktion. Die Zeit wird genutzt, um die Anlagen zu erneuern.

Die Autoindustrie in Bayern kann sich vor Aufträgen kaum retten. Zwar ruht auch in den bayerischen Autowerken die Produktion zum Jahreswechsel um bis zu vier Wochen. Doch das liegt nicht an mangelnder Nachfrage nach Fahrzeugen, sondern daran, dass die Produktionsstätten in den arbeitsfreien Tagen zwischen Weihnachten und Dreikönig für künftige Herausforderungen – etwa den Bau neuer Modelle – umgerüstet werden müssen. Die Hersteller versuchen, verlorene Produktionszeit wieder hereinzuholen.

So fährt BMW in München und im Werk Regensburg im Dezember noch drei Sonderschichten. Die letzte am 21. Dezember. Wenn die Arbeiter die Fabriktore an diesem Samstag nach der Schicht passiert haben, schließt das Werk für mehr als zwei Wochen. Am Tag nach Dreikönig geht es in München – wie auch in Dingolfing und Landshut – wieder los. Im Werk Regensburg dauert die Pause noch zwei Wochen länger. Denn dort stehen grundlegende Erneuerungen an – unter anderem in der Montage –, die in weniger als vier Wochen nicht zu bewältigen wären. Auch hier ist kein Nachfragemangel in Sicht. Im Gegenteil. „Wir haben derzeit eine Auslastung von 120 Prozent“, sagt ein Sprecher.

Das bekommen besonders die BMW-Mitarbeiter in Leipzig zu spüren. Denn deren Winterpause ist mit gerade einmal zwölf Tagen besonders kurz.In Leipzig ist die Weihnachtszeit schon gleich nach Neujahr zu Ende. Am 2. und 3. Januar wird gearbeitet. Und Dreikönig – in Bayern der letzte weihnachtliche Feiertag – ist in Sachsen normaler Werktag. In Leipzig baut BMW unter anderem den i3, der dank der unerwartet hohen Nachfrage für eine hohe Auslastung sorgt.

Nicht wesentlich anders sieht es beim BMW-Konkurrenten Audi aus. Am kommenden Wochenende werden dort noch einmal zwei Sonderschichten gefahren. Die eine am Samstag, die andere am Sonntag in der Nacht. Dann ist damit Schluss. So können sich die Audi-Mitarbeiter auch schon einen Tag früher als ihre Kollegen von BMW in die Weihnachtspause verabschieden. Am 21. Dezember sind die Werke in Ingolstadt und auch in Neckarsulm geschlossen. Und sie bleiben auch länger zu. Erst nach drei Wochen – mit der Frühschicht am 13. Januar – läuft dort alles wieder an. Die Gründe dafür sind ganz ähnlich wie bei BMW. Es stehen dort wichtige Neuerungen an. Vor allem muss die Produktion in Ingolstadt auf den Modellwechsel beim wichtigsten Audi-Modell, dem A 4, vorbereitet werden.

Weniger gut als bei den Herstellern exklusiver Personenwagen lief es in diesem Jahr im Nutzfahrzeugsektor. Die Mitarbeiter im Münchner MAN-Werk mussten zunächst erneut Kurzarbeit hinnehmen. Doch das hat sich seit Jahresmitte grundlegend geändert. Auch MAN fährt derzeit mit Vollauslastung.

Das hat einen bestimmten Grund: Noch bis zum Jahresende dürfen neue Nutzfahrzeuge verkauft werden, die nur die Euro-5-Abgasnorm erfüllen. Ab Januar gilt Euro 6 – mit erheblichen Mehrkosten für die Käufer. Viele haben deshalb anstehende Bestellungen vorgezogen. So kann es sein, dass die Nachfrage im Januar schlagartig zusammenbricht. Für den Konzern wäre es optimal, bis Silvester durchzuarbeiten, um am Jahreswechsel für mehrere Wochen zu schließen. Doch MAN will den Mitarbeitern auch eine Weihnachtspause gönnen. Wie lange die wird, ist noch nicht endgültig entschieden.

Der Branchenverband VDA rechnet für nächstes Jahr kaum mehr mit großem Zuwachs. Die Pkw-Produktion in Deutschland wird nach den Worten des VDA-Präsidenten Matthias Wissmann nur leicht zunehmen. Von 5,45 auf 5,47 Millionen Autos. Auch der Export bleibt mit 4,2 Millionen (2013: 4,18 Millionen) nach Wissmanns Prognose nahezu stabil. Deutlich wird dagegen die Zahl der Autos wachsen, die deutsche Hersteller im Ausland produzieren. Sie steigt heuer hochgerechnet um sechs Prozent auf 8,7 Millionen und soll 2014 erneut um sechs Prozent auf 9,2 Millionen Stück klettern. Das heißt: Fast nur noch jedes dritte Auto einer deutschen Marke ist wirklich „Made in Germany“.

Von Martin Prem

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