Sondertilgung und Zinsanpassung: Baukredite werden flexibler

- Das Tilgen von Baukrediten wird flexibler: Trotz Zinsvereinbarungen räumen mittlerweile viele Finanzierer ihren Kunden Sondertilgungsrechte ein oder ermöglichen es, die Kreditraten im Rückzahlungszeitraum mehrmals zu ändern. Bislang macht aber nicht jede Bank mit. Darum empfehlen Fachleute, die Angebote im Markt immer wieder zu vergleichen und unter Umständen mit der eigenen Bank zu verhandeln.

Mit neuen Angeboten reagieren Baufinanzierer darauf, dass sich das Einkommen heute immer wieder ändern kann: Ein Arbeitsplatzwechsel, eine Elternzeit oder eine Gehaltserhöhung können das Einkommen senken oder erhöhen. Wer in so einer Situation bisher eine Lösung suchte, stand vor einer unangenehmen Entscheidung: Es konnten nur entweder flexible und teure Vario-Kredite abgeschlossen werden oder günstigere, aber starre mit Festzins. Heute gehen die Anbieter immer häufiger auf den Kunden zu.

Christiane Kienitz von der Verbraucherzentrale Hessen bewertet die Entwicklung positiv. Mindestens zwei kostenlose Tilgungswechsel dürfen Kunden ihr zufolge heute erwarten. Diese sollten aber auch gezielt genutzt werden ­ und zwar in Fällen, in denen sich die finanzielle Situation "wirklich dauerhaft ändert". Zu häufige Anpassungen könnten teuer werden. "Wir hatten einen Fall in der Beratung, da wollte die Bank 300 Euro für eine dritte, nicht vertraglich vereinbarte Anpassung haben."

Neben der Anpassung der Rate sorgen Sondertilgungen für mehr Flexibilität von Baukrediten. Hat ein Verbraucher unerwartet mehr Geld zur Verfügung ­ etwa aus einer Erbschaft ­, kann er damit die Rückzahlung beschleunigen, ohne sich dauerhaft auf höhere Raten festzulegen. "Eine Sondertilgung von fünf Prozent sollte ohne Zinsaufschlag drin sein", sagt Max Herbst von der Finanzberatung FMH in Frankfurt.

Zugeständnisse machen einige Hypothekenbanken auch bei der Sonderkündigung vor Vertragsende. In der Regel fällt dabei eine Vorfälligkeitsentschädigung an. Einige Anbieter verzichten inzwischen auf die Gebühr ­ in der Regel gegen einen Zinsaufschlag bei Vertragsabschluss. Attraktiv sei diese Option vor allem für Bauherren, deren Lebensplanung noch nicht so gefestigt ist, sagt Herbst. "Und interessant ist eine solche Option auch für alle, die damit rechnen, dass die Zinsen wieder fallen." Denn dann könne der Kunde problemlos kündigen und ein neues, günstigeres Darlehen abschließen. "Gleichzeitig ist der Kunde bis dahin aber nach oben durch die Festzinsen abgesichert."

Flexibles Baugeld gibt es jedoch nicht bei jeder Bank. Großbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken täten sich mit solchen Angeboten schwer, hat die Stiftung Warentest in Berlin herausgefunden. Bei den Anbietern handle es sich überwiegend um Direktbanken und Vermittler. Doch nicht nur aus diesem Grund lohnt sich ein Vergleich.

Kunden sollten ruhig mit ihrer Hausbank verhandeln, rät Max Herbst. Wichtig sei nur, sich vorher Vergleichsangebote einzuholen. "Die eigene Bank wird einem dann in der Regel entgegenkommen", sagt Herbst. Und wenn nicht, sollten Verbraucher zur Konkurrenz wechseln.

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