An der Sonne führt kein Weg vorbei

- München - Nur die Sonnenenergie ist langfristig in der Lage, den steigenden Energiebedarf der Weltbevölkerung zu decken. Davon waren die Experten auf dem Forum der Fraunhofer-Gesellschaft überzeugt. Für den Präsidenten der Gesellschaft, Hans-Jörg Bullinger, steht zudem fest: Die Solartechnik ist eine große Chance für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

"Nur wenn wir etwas völlig Neues erfinden, von dem wir heute noch überhaupt nichts wissen, könnte das die Photovoltaik für die zukünftige globale Stromversorgung ausbremsen", meinte Reiner Lemoine, Vorstandsmitglied der Firma Q-Cells AG aus Thalheim in Sachsen-Anhalt. Q-Cells ist eines der Paradebeispiele für eine boomende Branche, die zum Teil 30-prozentige Wachstumsraten verzeichnet. Gegründet im Jahr 1999 mit einem Startkapital von umgerechnet 60 000 Euro hat sich Q-Cells alleine durch die Produktion von Silizium-Solarzellen heute zu einem der führenden Hersteller weltweit entwickelt. Für dieses Jahr erwartet der Vorstand einen Umsatz von 290 Millionen Euro. Im Jahr 2002 arbeiteten dort 82 Mitarbeiter, heute sind es 731.

Selbst bei bedecktem Himmel schickt uns die Sonne 15 000 Mal mehr Energie auf die Erde, als wir benötigen. Doch diese Energie kann der Mensch nur bedingt nutzen. Solarzellen etwa haben Wirkungsgrade von rund 16 Prozent. "Wir müssen weitere Technologien entwickeln und die Produktionskosten drastisch reduzieren, um nachhaltige Energiesysteme weltweit zur Anwendung zu bringen", sagte Joachim Luther, der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg. Er zeigte sich überzeugt, dass die industriellen Anstrengungen und die Forschung in absehbarer Zeit die Kostenreduktionen erreichen werden.

Aber nicht nur die Solarzellenherstellung als High-Tech-Industrie verspricht in der Bundesrepublik zur Zukunftsbranche zu werden.

Auch die Anbieter von Solarthermie-Anlagen zur Wassererhitzung oder von Kühlsystemen verzeichnen steigende Auftragseingänge. "Vor allem Kühlsysteme wie etwa Klimaanlagen, die ihre Energie aus der Sonne gewinnen, bieten hervorragende Möglichkeiten", erklärte Edmund Stassen, Vorstandsmitglied der Hamburger Firma Conergy AG. Das Unternehmen entwickelt Solarsysteme, je nach Bedarf des Kunden. "Solare Kühlsysteme sind ein wichtiges Marktsegment, denn die Energie dazu wird exakt dann gebraucht, wenn am meisten Sonne scheint", sagte Stassen.

"Wir wissen, dass wir in Deutschland eine Spitzenposition in der Solartechnik haben", betonte Bullinger. "Viele Märkte werden wir hier aus Kostengründen nicht halten können, doch in der Solartechnik sehen wir eine Perspektive für einen Mega-Zukunftsmarkt."

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